Gen Osten nach Narva

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Nach Narva rein ging es an langen Lkw-Warteschlangen vorbei
 

Die drittgrößte Stadt Estlands ist Narva.Sie liegt allerdings nicht nur ganz im Osten, direkt an der russischen Grenze, sondern dort leben auch noch mehr als 90 Prozent Russen. Die historische Bausubstanz wurde im Krieg nahezu vollständig zerstört; kaum etwas wieder aufgebaut. So locken auch nur wenige Sehenswürdigkeiten.

Von Toila aus waren wir in kurzer Zeit wieder auf der Landstraße No. 1; dann war es auch nicht mehr weit bis Narva. Sieben Kilometer vor der Stadt standen plötzlich Lastwagen am rechten Fahrbahnrand. Nicht nur einer oder zwei. Nein. Mit kleinen Unterbrechungen standen sie hintereinander bis zur Stadt – genauer gesagt bis zum Grenzübergang. Und das ohne jede Infrastruktur. Der Seitenstreifen war nicht befestigt. Keine Getränkebude weit und breit. Nur ein oder zwei Mal ein Pixi-Klo auf der anderen Seite im Grünstreifen. Allerdings sahen wir nur russische und estnische Laster, keine anderen.

Überhaupt – die deutschen Touristen machen sich hier ganz im Osten noch rar. Je weiter wir uns in dieser Richtung von Tallinn entfernten, desto seltener wurden unsere Landsleute. Wenn wir WoMos trafen, kamen sie aus Österreich, aus Finnland oder Estland. Der Grenzübergang für die Lkw liegt ein wenig außerhalb der Stadt. Der für Fußgänger und Pkw-Fahrer jedoch direkt im Zentrum, genau neben der Hermannsburg. Nur ein Maschendrahtzaun trennt die Feste von der Grenze. Diese EU-Außengrenze wird aber gründlich kontrolliert. Ohne Visum gelangt man nicht nach Iwangorod. Wollten wir ja auch nicht – obwohl, so ein kurzer Abstecher nach St. Petersburg (Peterburi auf estnisch) hätte uns schon gereizt. Vor Grenzübergang und Feste ist ein großer Parkplatz, auf dem man auch mit einem langen WoMo Platz findet. Wir standen hier bestimmt drei Stunden – ohne Gebühr und ohne das Gefühl von Gefahr.

Es war ziemlich warm, eigentlich viel zu warm, um sich zu bewegen. Aber wir stapften zur Burg, in deren äußerem Graben inzwischen Tennisplätze angelegt sind. Was den weitgereisten Wolf zu der Bemerkung veranlasste: „Mensch, ich hätte nie gedacht, dass die damals schon Tennis gespielt haben…“ Die Burg selbst ist heute ein Museum. Und was sie so mächtig aussehen lässt, ist die Feste ihr direkt gegenüber am russischen Ufer der Narva! Wir stiegen über schier endlose Holz- und Steinstiegen hoch auf den „Langen Hermann“, wie der Festungsturm genannt wird. Es war faszinierend, wie sich die Besucherströme in dem mächtigen Bau verloren. Dort gibt es auf jeder Etage etwas zu sehen: Nippes nach russischem Geschmack, eine Ausstellung mit Panzern (inklusive Hakenkreuzen), tolle Tierfotos des finnischen Fotografen Markus Varevno und Exponate zur Geschichte von Narva und Umgebung. Wir waren an allem nur mäßig bis gar nicht interessiert, sondern uns kam es vor allem auf die Aussicht vom Turm aus an.

Oben angekommen, erwarteten uns jedoch zwei Überraschungen: Die Aussicht genießen kann man nur durch schlanke Fenster von dem hölzernen Rundgang aus (der bei genauer Betrachtung von unten genau zu erkennen ist). Und es hängt dort ein Schild mit der Warnung: „Safe only for walking“. Mit anderen Worten: Nicht stehen bleiben. Wir kamen der Aufforderung nach, denn der Boden bestand aus simplen Brettern und es ging doch einige Meter steil in die Tiefe. Von Narva aus ging es dann am Peipus-See entlang gen Tartu. Es war ein warmer Tag. Der See liegt nicht direkt an der Straße. Und an jener Stelle, an der wir stoppten und zum Ufer gingen, sahen wir grünliches Wasser und tote Fische. Am Nordufer soll es schöne Strände geben – aber die haben wir nicht gesehen. Wir fuhren durch grüne Wälder, grüne Wälder, grüne Wälder. Sehr ermüdende auf Dauer.

Und kamen abends in der Universitätsstadt Tartu (zweitgrößte Stadt Estlands) an. Dort ist es ein bisschen schwierig mit der Camp-Situation. Einen richtigen Campingplatz gibt es nicht, dafür einige Hotels, die auch Stellplätze anbieten. Wir fanden etwa fünf Kilometer außerhalb beim Kure Talu Guesthouse einen schönen Platz. Auf einem Bauernhof haben die Besitzer neben Gästezimmern fünf Stellplätze ausgewiesen – schön parzelliert auf Schotter. Die Inhaber müssen eine Vorliebe für Nippes haben. Statt Gartenzwergen tummeln sich hier Rehe, Bärchen, Hexen und falsche Störche. Aber der Platz ist super gepflegt und der Empfang auf Englisch und sehr freundlich. Es gibt eine sehr schöne Hütte mit Tischen für Regentage, eine gute Dusche. Für einen Besuch von Tartu können wir den Platz nur empfehlen. Und nicht von „nur“ fünf Stellpläten irritieren lassen: Gleich daneben ist eine riesige Wiese, wo es zwar mit Strom schwierig wird, aber Stellplätze für mindestens zwanzig Wagen sind.

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