Björn M.: Immer wieder geht´s nach Helgoland

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Die Männer der Björn M. versorgen Helgoland mehrmals wöchentlich mit Baustoffen

Wischhafen/Helgoland – Die Lebensadern von Deutschlands einziger Hochseeinsel heißen „Björn M.“ und „Helgoland“. Zwei Küstenmotorschiffe, die alles transportieren was der „rote Felsen“ und die Insulaner zum Leben brauchen. Während die „Helgoland“ für den Lebens- und Genussmittel-Nachschub sorgt, ist die „Björn M.“ für den Transport von Baumaterial verantwortlich, vor allem aber befreit sie die Helgoländer von ihrem Abfall. Wichtige Aufgaben, die Kapitän Helmut von Rönn und seine Männer seit Jahren mit Spaß an der Arbeit leisten.

„Wann brauchst du die Maschine, Helmut?“ „Halb eins, nee Mitternacht, die halbe Stunde bringt´s auch nicht mehr.“ Maschinist Sven Federmann murmelt zustimmend und verzieht sich dann nach unten in seine kleine Kammer. Gut drei Stunden noch, dann muss der Antriebsdiesel seeklar sein; drei Stunden, das reicht aber auch noch für ein bisschen Schlaf. Kapitän Helmut von Rönn bleibt auf der Brücke, lehnt entspannt am hölzernen Steuerrad, in der rechten Hand glimmt die unvermeidliche Reval ohne Filter. Er scheint zu überlegen: Schlafen oder nicht schlafen ist die Frage? Ein bisschen müde blickt er in die traurigen Reste der Süderelbe, nur wenig mehr als ein breites Rinnsal schmuddeligen Wassers hat die Ebbe nicht übrig gelassen. Mit einem gewagten Sprung könnte ein erwachsener Mensch jetzt das träge Gewässer überwinden, wäre es nicht von schwarzem Schlick umgeben, der das Flussbett bis zur Hochwassergrenze markiert.

Auf der Außenelbe
Auf der Außenelbe

Kein Wasser zum Fahren, nur noch Schlick zum Liegen. Die Festmachertaue sind sinnlos geworden, der Rumpf des kleinen Frachters hat satt im weichen Untergrund geparkt. Nur noch der halbe Propeller ragt aus dem Schlamm und ein Stück vom Ruderblatt ist zu sehen.

Drei Stunden später ist der Spuk vorbei, die Elbeflut hat frisches Wasser in den kleinen Nebenarm des großen Stroms gedrückt, die Björn M. schwimmt auf, hat schließlich auch wieder die sprichwörtliche handbreit Wasser unter dem Kiel.

Punkt Mitternacht öffnet der grauhaarige Kapitän das Anlassventil, um den betagten MaK-Diesel mit Pressluft zu starten. Decksmann Zimmermann und Maschinist Federmann werfen die Leinen los, auf geht´s zur nächsten Reise. Rund sieben Stunden sind´s bis Helgoland, 52 Meilen über die Elbe und durch die Deutsche Bucht, den Laderraum bis obenhin mit Kies gefüllt.

Guten Appetit!
Guten Appetit!

 

Es ist eine abenteuerliche Reise mit der Björn M. vom kleinen Firmenhafen der Meyer AG im Süden Wischhafens durch die Süderelbe. Nur einige an Reisigbesen erinnernde Pricken markieren das enge Fahrwasser, bei Nacht leuchtet von Rönn die Route gar mit dem Suchscheinwerfer aus, ertastet vorsichtig seinen Weg. Nur wenig Platz bleibt bis zu einer Bootswerft, ein paar Sportbootpiers und das Sperrwerk beim Fähranleger nach Glückstadt werden einige Meilen weiter ebenfalls ganz dicht passiert. Helmut von Rönn zieht gelassen an der x-ten Reval, steuert mit langsamer Fahrt weiter Richtung Elbefahrwasser.

Es ist von hoher nautischer Kunst, die Süderelbe mit einem Frachtschiff zu befahren. Niemand sonst beherrscht das Gewässer so wie der 52 Jahre alte Seemann aus dem nahen Dorf Krummendeich, der einst eigentlich Elektriker wer-den wollte. Der sieht die nautische Herausforderung aber völlig ent-spannt, feixt: „Das geht ja beinahe vollautomatisch hier.“

Einmal, zweimal, manchmal sogar dreimal in der Woche geht die Björn M. auf die Reise. Die Route ist fast immer gleich. Von Wischhafen nach Helgoland, gelegent-lich nach Cuxhaven oder auch zur Insel Neuwerk. Auf dem Hinweg ist der 54 Jahre alte Dampfer mit Baumaterial beladen, zurück sind Laderaum und Oberdeck für die Behälter mit dem Insel-Müll reserviert. Einmal pro Monat kommt zusätzlich noch der Neuwerker Abfall an Bord.

„Beinahe alles was auf dem roten Felsen steht haben wir gefahren. Der Antennenturm, jeden Kalksandstein, jeden Dachziegel, jeden Zentner Kies, die Dünen-Ferienhäuser, sogar das Hotel „Atoll“ haben wir transportiert,“ weiß Lothar Zimmermann, der seit langen Jahren ausschließlich im Helgoland-Dienst auf Meyer-Schiffen fährt. Rund 20 Mal wären sie allein für´s „Atoll“ geschippert, bis alle Beton-Elemente auf der Insel angekommen waren. „Und dann gab´s zum Schluss auch noch Trouble,“ erzählt einer, „der Bauleiter bestand trotz stürmischen Wetters wegen der Richtfest-Planung auf den zeitgerechten letzten Transport.“ Die Björn M. und ihre Männer waren schließ-lich härter als die Beton-Bauelemente. Von 24 Stück wurden während der Überfahrt ein Dutzend beschädigt, drei andere mussten gar als Totalschaden abgebucht werden. Dadurch war das Richtfest dann endgültig verschoben.

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Kapitän Helmut von Rönn hat alles im Griff, Decksmann Lothar hat Zeit für eine Zigarette.

„Eigentlich haben wir nie Probleme in See, bis acht, mhh, neun Windstärken fahren wir immer, aber unsere Ladung hat meist auch Zeit genug, um auf günstigere Winde zu warten,“ resümiert der Kapitän. Und Warten, setzt von Rönn hinzu, würde bei ihnen zum Geschäft gehören; Warten auf die nächste Ladung, warten auf besseres Wet-ter oder auf eine günstige Tide. „Genau,“ ergänzt Maschinist Federmann lachend, „und warten bis der Kapitän ausgeschlafen hat.“ Und auch daran ist ein Körnchen Wahrheit. Helmut von Rönn ist der einzige Nautiker an Bord und solange die Björn M. fährt, steht er auf der Brücke, kann nur die Hafenliegezeiten zum Ausruhen nutzen.

Rund 1100 Mal hat er bislang die Reise von Wischhafen nach Helgoland gemacht, zwei Havarien gab´s in dieser Zeit. „Man traut sich kaum noch in den Urlaub,“ sagt er, denn in beiden Fällen saß er zu Hause im Wohnzimmer oder war mit Ehefrau Edeltraud und dem Wohnwagen unterwegs. Im April 2004 rammte ein Tanker die Björn M. auf der Elbe und nur wenige Monate zuvor – es war Freitag der 13. – überfuhr der Meyer-Kümo eine Fahrwasser-Tonne und wurde manövrierunfähig. Gerüc-teweise ist zu vernehmen, dass sich die Männer der Björn M. seit-dem nicht mehr zum Schlafen un-ter Deck trauen, jedenfalls immer dann, wenn Helmut von Rönn durch einem anderen Kapitän ver-tretenwird.

Wenn große Bauprojekte auf der Insel laufen, dann fährt der Kümo ständig hin und her, die Ruhephasen schrumpfen auf ein Minimum zusammen. Die Besatzung stört es jedoch nicht. „Es ist doch toll,“ sagt Lothar Zimmermann, „in der Woche haben wir reichlich zu fahren, und am Wochenende sind wir immer zu Hause. Welcher Seemann hat es schon so gut?“ Und spannend seien die Fahrten nach Helgoland schließlich auch immer. „Wir freuen uns jedes Mal den roten Felsen wieder zu sehen. Nach allem was wir da schon hingekarrt haben, müsste er doch längst in den Fluten versunken sein.“  Wolfgang Henze

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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