Unfreundliche Übernahme in Schacht-Audorf: Bürgermeister will Wohnmobilstellplatz verwalten

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Schacht-Audorf (whe) – Der Gemeinderat fühlt sich vom Bürgermeister verladen, die Stellplatzbetreiber verleumdet und die mobilen Touristen reiben sich ungläubig die Augen: Schacht-Audorfs Bürgermeister Eckard Reese hat eine Vertragskündigung in der Schreibtischschublade, sucht bereits neues Personal und will den Wohnmobilstellplatz der Gemeinde künftig in Eigenregie verwalten. Seine Begründung: Der Platz sei in schlechtem Zustand und mit der Verwalter-Familie Eichstedt sei über die Vertragskündigung längst Einvernehmen erzielt worden, weil die keine Lust mehr habe das Areal zu betreuen. Nun erfuhr die allerdings von der geplanten Kündigung erst durch einen eigenen Mitarbeiter, nachdem der Bürgermeister dazu bereits in nichtöffentlicher Sitzung den notwendigen Gemeinderatsbeschluss mit seiner eher eigenwilligen Begründung erzielt hatte.

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Schacht-Audorfs Bürgermeister Eckard Reese will künftig auch Stellplatzverwalter werden. Fotos: Henze

Und ohnedies ist der Platz auch in erstklassiger Verfassung, wird regelmäßig während der Saison von Wohnmobilisten aus der ganzen Republik und den angrenzenden Nationen angesteuert, erreicht dadurch sogar außerhalb der Sommersaison eine Auslastung, die wohl kaum ein anderer Wohnmobilstellplatz vorweisen kann. Ein überaus merkwürdiges lokalpolitisches Ränkespiel scheint sich in Schacht-Audorf anzubahnen, und es lohnt sicher, in die noch junge Geschichte dieses wohl erfolgreichsten Tourismusprojekts der letzten Jahre am Nord-Ostsee-Kanal zu schauen.

Die Genehmigung und der Bau dieses Wohnmobilstellplatzes, wie auch vieler anderer in Schleswig-Holstein, war eine überaus schwere Geburt. Rund sechs Jahre hatte Bürgermeister Reese dieses für Region und Gemeinde bedeutende Projekt vom ersten Gemeinderatsbeschluss bis zur offiziellen Eröffnung im Jahr 2011 vorangetrieben. Der Widerstand war enorm, und mindestens so groß wie die fehlende Sachkenntnis damals über Errichtung und Betrieb eines solchen Tourismusprojekts auf Gemeindeseite.

Tatsächlich galt es zuallererst das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA), mithin die Verwaltung des Nord-Ostsee-Kanals, von der Errichtung eines Wohnmobilstellplatzes in Schacht-Audorf zu überzeugen. Und der Kanalverwaltung schwillt regelmäßig der Kamm, wenn neue „Infrastruktur“ am Rand des Kanals errichtet werden soll, da befürchtet wird, dass dadurch späterere Ausbauvorhaben erschwert würden. Letztlich konnte das Gelände für den Stellplatz aber beim WSA von der Gemeinde angepachtet werden, mit diversen Auflagen, beispielsweise der Blendschutzzaun zur Vermeidung von Scheinwerferblendung der Schiffsbesatzungen. Parallel musste aber auch der Gemeinderat, die Bevölkerung und sogar die umliegenden Gewerbetriebe von der Sinnhaftigkeit des Tourismusprojekts überzeugt werden. „Das war nicht einfach“, so Bürgermeister Reese bei der offiziellen Platzeröffnung vor gut vier Jahren.

Ein Stellplatz mit sehr guter Auslastung
Ein Stellplatz mit sehr guter Auslastung

Quasi ganz nebenbei mussten aber auch die notwendigen Finanzmittel beschafft werden, denn bereits der erste Bauabschnitt, ohne Sanitärcontainer, kostete rund 450.000 Euro, ein merkbarer Anteil davon musste für Gutachten und „Verwaltung“ ausgegeben werden. Wie gut, dass mit der Gemeinde Schacht-Audorf ein öffentlicher Vorhabensträger Projektführer war, denn dies ermöglichte eine hohe Bezuschussung des Stellplatzes durch das EU-Förderprogramm zur Stärkung des ländlichen Raumes „AktivRegion“ . Diese Mittel hätten einem privaten Projektträger so nicht zu Verfügung gestanden, was den Bau des Stellplatzes hätte letztlich scheitern lassen können oder so teuer gemacht, dass die von den Wohnmobilisten zu zahlenden Gebühren sich zum Nachteil des Auslastung des Platzes hätten entwickeln können. Den nichtvorhandenen Sachverstand in der Gemeinde Schacht-Audorf in Sachen „Wohnmobilstellplatz“ konnte man sich dann schließlich bei der jetzigen Betreiberfamilie Eichstedt „abholen“. Petra und Bernd Eichstedt betreiben zusammen mit Tochter Ann-Christin und den Söhnen Kai und Tim in der Nachbargemeinde Osterrönfeld den erfolgreichen Caravanpark Spann…an.

Von Anfang an war abgemacht, dass Familie Eichstedt auch die Verwaltung des Geländes übernehmen soll. Und so kam es dann auch. Seit der Eröffnung betreut Familie Eichstedt überaus erfolgreich den Platz und viele Widerstände in der Gemeinde gegen dessen Bau  sind längst Geschichte. Edeka-Händler Martin Hoof, mit zwei Frischemärkten in der Nähe, sagte kürzlich, dass er anfänglich auch gegen den Stellplatz gewesen sei, aber das inzwischen völlig anders sehen würde. Der Platz hätte dem Tourismus und dem Gewerbe rundum richtig gut getan.

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Attraktiv direkt am Nord-Ostsee-Kanal gelegen

 

Tatsächlich scheint es aktuell wohl so zu sein, dass aus Sicht des Bürgermeister inzwischen wohl ausreichend Sachkenntnis zu Eigenverwaltung des Platzes vorliegen würde, und wohl auch mehr Geld dadurch in die Gemeinde geleitet werden könnte. Genau dies wird aber von Spann..an-Juniorchef Kai Eichstedt nachdrücklich bezweifelt: „Nach Abzug aller Kosten, darunter natürlich auch die Pacht, bleiben pro Jahr knapp 6000,- Euro über. Ich bezweifle, dass die Gemeinde den Stellplatz künftig günstiger als wir verwalten kann, und daraus mehr oder überhaupt einen Gewinn erzielen wird.“

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Caravanpark Spann..an-Besitzer und Stellplatzverwalter in Schacht-Audorf (von links): Bernd, Petra und Kai Eichstedt

Familie Eichstedt fühlt sich durch die wenig transparente Vorgehensweise des Bürgermeisters in hohem Maße unfair behandelt und auch verleumdet. „Wider besseren Wissens zu behaupten, dass der Platz in einem schlechten Zustand sei ist nicht in Ordnung“, so Kai Eichstedt. Tatsächlich ist es aber so, dass der Wohnmobilstellplatz in Schacht-Audorf auch in diesem Jahr wieder von einem der Top-Wohnmobilmagazine ausgezeichnet werden soll. Die Wohnmobilisten legen ohnedies auf ihren Pneus beredtes Zeugnis vom Zustand der „belle etage“ am Nord-Ostsee-Kanal ab: Der ist allemal zu Saisonzeiten regelmäßig überfüllt und bedarf im Grund bereits jetzt einer Vergrößerung. Familie Eichstedt zeigt sich überaus bereit,den Platz auch weiterhin zu betreuen. „Es geht für uns nicht um Geld, sondern um die Abrundung unseres Angebotes als Wohnmobil- und Campinghändler in der Region und um die Möglichkeit, unseren Kunden den wohl komfortabelsten Stellplatz am Nord-Ostsee-Kanal für Aufenthalte anbieten zu können. Wir hoffen, dass alles wieder ins Lot kommt.“ Es gilt abzuwarten, wie der vom Bürgermeister geleimte Gemeinderat auf die vorliegenden Fakten reagieren wird.

 

 

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6 Kommentare zu Unfreundliche Übernahme in Schacht-Audorf: Bürgermeister will Wohnmobilstellplatz verwalten

  1. Hallo!
    Ein sehr schöner Stellplatz der auch immer in einem sauberen Zustand ist, den wir immer anfahren wenn wir am NOK sind.
    Den Chef vom Platz kennen wir seit der Einweihung des Stellplatzes in 2011, wo ich auch noch Fotos selber gemacht habe und ein Stück rot weißes Band welches vom Bürgermeister und vom neuen Platzbetreiber durchgeschnitten wurden.
    Ich wünsche das der Platzbetreiber dieses auch weiterhin so wie immer weiterhin sehr weiterführen kann.
    Und der Bürgermeister sich um wichtigere Sachen kümmert. Vieleicht einen zusätzlichen Stellplatz plant das wäre vernünftig.
    Mfg Der Deichkiker Albert aus dem NRW !

  2. Der Wohnmobilstellplatz Schacht Audorf, den wir in den vergangenen Jahren mehrfach für einige Tage besucht haben, war zu jeder Jahreszeit gepflegt, sehr sauber und sicher. Der Preis von zehn Euro pro Nacht ist fair und gerechtfertigt. Es besteht gewiss kein Anlass für einen Verwalter-Wechsel! Es sei denn, der strebsame Herr Bürgermeister möchte die Preise erhöhen und die Wohnmobilisten abzocken. Das wäre schade für Schacht-Audorf und den Stellplatz.

  3. Wir lieben diesen Stellplatz, und fahren ihn regelmäßig an. Der Platz ist super gepflegt, vergangenes Jahr wurde die Einfahrt neu gepflastert und der gesamte Platz neu bekiest. Die Ver-und Entsorgung ist stets sauber und sehr gut zugänglich, und das Ambiente des Platzes sehr schön und auch gemütlich. Alles in allem: ein Superplatz, für den wir auch gerne 10 € bezahlen. Da sind andere Stellplätze wie z. B. Cuxhaven teurer und unattraktiver, da kaum Sicht auf die Schiffe möglich!
    Die Firma Spann an betreut den Platz hervorragend, und wir bekamen Gasflaschen während der Weihnachtsferien der Firma ans Wohnmobil geliefert, sogar am Sonntag und zu einem unschlagbaren Preis! Das sollte der Herr Bürgermeister mal bringen…!
    Und wenn der Gemeinderat von dem „enormen“ zu erwartenden Gewinn erfährt, ist die Platzwartfrage wohl in 5 Minuten geklärt!
    Danke an die Firma Spann an für die bisherige und hoffentlich auch zukünftige hervorragende Platzverwaltung! Denn da steckt auch Herzblut mit drin!
    Die Camper aus Franken, die gerne nach Schacht-Audorf kommen.

  4. Dienstag um 18:00 Uhr ist die öffentliche Sitzung zu diesem Thema. Da es sich um eine öffentliche Sitzung handelt sind alle Wohnmobilisten gerne zur Teilnahme eingeladen in dem Gemeindehaus Kieler Straße 25 in Schacht-Audorf an dieser Sitzung teilzunehmen.

  5. Aber warum wird dann nur ein angeblicher Gewinn von 6000.- Euro eingefahren?
    360 Tage x 10 Euro x15 Plätze = 54000.- und was fällt auf dem Platz für Arbeit an.
    Aber dann bin ich doch nicht Böse bei nur 6000.- Euro Gewinn im Jahr.
    Schöne Grüsse

  6. Auch wir kommen immer wieder gerne nach Schacht-Audorf und freuen uns wenn wir noch einen Stellplatz ergattern können. Wir hatten auch schon Pech und sind auf den Stellplatz an der Untereider ausgewichen, auf dem man ja leider keine Schiffe bestaunen kann. Außerdem studiert unser Enkeltochter in Osterrönfeld und wir verbinden gleich zwei angenehme Reisen, Enkelkind besuchen und am NOK Schiffe gucken.

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