Cesis: Bröckelnde Bauten

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Cesis (wwot) – Warum sollte man nach Cesis fahren? Nun ja – es liegt mitten im Gauja Nationalpark und nur sechs Kilometer vom Campingplatz Apalkalns entfernt. Also steuerten wir das Örtchen regelmäßig an, um uns im „Maxima“-Supermarkt zu versorgen.

Die alte Burg in Cesis. Fotos: Sopha/Henze
Die alte Burg in Cesis. Fotos: Sopha/Henze

Aber auch ein Spaziergang durch die historische Altstadt lohnt. Eine schaurig-schöne Burg-Ruine und der Schloss-Park sind der Mittelpunkt jeder Stadttour. Wir waren neugierig geworden durch das zahlreiche Informationsmaterial, das am Campingplatz auslag: Eine Tourismuskarte über den Nationalpark, eine Karte mit Fahrradrouten und eine für Cesis und Umgebung. Das alles in mehreren Sprachen, wirklich vorbildlich. Und auch das Material an sich: allerbest!

Allein 43 Sehenswürdigkeiten sind für Cesis und die nähere Umgebung aufgelistet. Nach genauem Studium waren rund zehn davon mit dem Textmarker gekennzeichnet. Der türkischen Friedhof oder die römisch-katholische Kirche muss man sich nicht unbedingt anschauen. Wenn auch zum Friedhof zu erfahren ist, dass hier 26 Kriegsgefangene des Russisch-Türkischen Krieges (1877-78) bestattet sind. „Sie lebten einige Zeit in Cesis und hatten eine beliebte türkische Bäckerei in Besitz“, steht im Faltblatt. 1937 wurde die Gedenkstätte auf Betreiben des türkischen Konsuls enthüllt.

Kurios. Eine Bäckerei sehen wir auf unserem Bummel nicht. Überhaupt macht alles einen sehr verschlafenen und dringend renovierungsbedürftigen Eindruck – seinen es die Gehwege oder die Holzfassaden der Häuser. Aber von Campingplatz-Besitzer Juris hatten wir erfahren, dass die Stadt nach der Unabhängigkeit der baltischen Staaten fast ein Drittel ihrer Einwohner verloren hatte. Viele waren ausgewandert, zum Beispiel nach England.

Zentrum: Der große Platz in Cesis
Zentrum: Der große Platz in Cesis

Radrouten und Wanderwege sind gut markiert. Nicht ganz so gut waren die städtischen Hinweise auf einen Parkplatz. Aber direkt am Schloss kann man parken (auch wenn dort kein Schild steht). Dann sind es nur noch wenige Schritte zur Tourist-Information. Die ist übrigens zugleich Eingang zu Schloss und Burg (http://www.cesupils.lv). Der Eintritt nur für die Burg mit drei Euro ist nicht unbedingt günstig, aber die junge Dame hinter dem Tresen spricht einwandfrei Englisch und wir wollten unseren Beitrag zum Attraktivierung der Stadt leisten.

Das Steinschloss war einst Sitz des Livländischen Ordens und Residenz des Heermeisters (13. bis 16. Jahrhundert). Inzwischen residiert hier der Löwenzahn. Das frische Grün und leuchtende Gelb sind ein herrlicher Kontrast zu den grau-braunen Steinen. Gerüste verhindern den Zugang zur eigentlichen Burg. Überall wird restauriert. Aber die Atmosphäre regt die Fantasie an.

Gleich nebenan steht dann das neue Schloss, erbaut Ende des 18. Jahrhundert von der Familie des Grafen von Sieverss. Warum an diesem Ort? „Na, die Instandsetzung des alten Baus war wohl zu teuer“, feixt der Mann an meiner Seite.  Und vielleicht liebte es Herr Graf romantisch. In dem „neuen“ Bau ist heute das Heimatmuseum von Cesis untergebracht.

Wir genießen weitere Stadtgeschichte lieber hautnah beim Bummel durch die Straßen. In der St. Johannis-Kirche empfangen uns eine freundliche Dame, die Eintritt kassiert, und Grabeskühle. Auch hier zahlen wir gerne, denn es gibt noch sehr, sehr viel zu tun. Nur wenige Meter weiter am Rosenplatz – dem ehemaligen Marktplatz – hat die Neuzeit in Form eines modernen Springbrunnens und eines schicken Cafés Einzug gehalten.

Die lokale Brauerei produziert hervorragende Bierspezialitäten
Die lokale Brauerei produziert hervorragende Bierspezialitäten

Übrings hat Cesic ein Skigebiet. Im Stadtteil Ciruslisi –Schilder weisen uns den Weg. Dort herrscht allerdings noch sozialistischer Charme. Wir begnügen uns mit einem kurzen Blick. Noch verfallener ist die alte Brauerei. Von 1878 bis 2001 wurde hier „Cesu alus“ produziert. Es soll die älteste Brauerei in Nordeuropa sein, 1590 gegründet. Die alte Produktionsstätte bröckelt zwar vor sich hin, Bier wird in Cesis jedoch weiterhin hergestellt, allerdings in modernen Anlagen. Es gibt verschiedene Sorten (unter anderem trüb, Premium oder eine Art Lager) und in unterschiedlichen Formen und Größen (Glasflasche, Dose). Egal, welche man wählt: Es schmeckt. Also stoßen wir nach dem Stadtspaziergang an: „Prozit!“ Sabine Sopha

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