Lecker, lecker: Der Bauch von Riga

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Riga (wwot) – Einst waren die Markthallen von Riga so etwas wie eine Notlösung. Nach dem Ersten Weltkrieg sollten die hygienischen Bedingungen auf dem Lebensmittelmarkt tiefgreifend verbessert werden. Das Ufer am Stadtkanal und zur Daugava, sowie das Marktgelände hatten im Krieg starke Beschädigungen erlitten. Mit der Errichtung des Zentralmarktes sollte das Gebiet wieder nutzbar gemacht werden.

Die Fischhalle. Fotos: Henze
Die Fischhalle. Fotos: Henze
Räucherfisch in der Vase
Räucherfisch in der Vase

Der Duft ist unglaublich. Es riecht nach Räucherfisch, nach Blumen, Gewürzen oder frischem Gemüse. Aber auch nach Kaffee, Tee, Gebäck, Brot oder leckeren Aufschnittspezialitäten. Die Frage ist nur, durch welchen Eingang man die Markthallen von Riga betritt. Denn die Hallen sind nach einem festen Schema belegt. So gibt es eine Gemüsehalle, eine Milchhalle, Fleisch, Fisch und schließlich eine Gastronomiehalle. Nun ja, es liest sich ein wenig akademischer als es dann vor Ort wirklich ist, aber grundsätzlich stimmt die Verteilung so, mal abgesehen davon, dass die Rigaer Markthallen auch außenrum von einer Vielzahl von Ständen eingerahmt sind. Man kann sagen, dass der Zentralmarkt von Riga alles bieten kann, was Menschen benötigen. Was es dort nicht gibt, das braucht man auch nicht, vermutlich.

Am 28. Dezember 1922 fasste der Rigaer Stadtrat den Beschluss zum Neuaufbau des Zentralmarktes. Dazu wurden zwei Luftschiffhallen gekauft, die ursprünglich zum Luftschiffhafen Wainoden in Kurzeme gehörten. Verwendung fanden aber nur die oberen Teile der Hallen, die natürlich auch in ihrer ursprünglichen Höhe nicht benötigt wurden.

Obstand im Außengelände
Obstand im Außengelände

Insgesamt wurden aus den beiden Luftschiffhallen, von denen jede ursprünglich eine Länge von 240 m hatte, fünf Markthallen errichtet. Eine größere in ostnordöstlicher Ausrichtung mit einer Länge von etwa 140 Meter und einer Fläche von 5.000 m² für den Großhandel und die Fleischverarbeitung, sowie vier kleinere Hallen in südsüdöstlicher Richtung mit einer Länge von etwa 70 Meter und etwa 2.500 m² für Fleischprodukte, für Milch- und Fleischprodukte, für Brot, Obst und Gemüse sowie Geflügel und für Fisch.

Seit 1995, also einige Jahre nach der wiedergewonnenen Unabhängigkeit wird der Markt als Aktiengesellschaft im Besitz des Rigaer Stadtrats geführt. 253 Angestellte sind im Zentralmarkt beschäftigt, dazu kommen natürlich noch hunderte von Anbietern. Seine Fläche beträgt mehr als sieben Hektar, und um alle Gänge abzulaufen braucht man schon einiges an Zeit.

Die Milchhalle
Die Milchhalle

Vom Hauptbahnhof in Riga, oder auch von der Altstadt, ist er nicht weit entfernt und gut zu Fuß erreichbar. Das Schöne ist aber nicht nur das riesige Angebot – einiges davon wird in dieser Fülle nirgendwo anders angeboten – sondern auch die relative Gelassenheit der Menschen die dort einkaufen. Breite Gänge ermöglichen doch entspanntes flanieren und die sinnliche Wahrnehmung der angebotenen Waren. Fest steht jedenfalls: Wer Riga besucht, muss auch den Zentralmarkt sehen. Wolfgang Henze

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