Hochsaison auf Saaremaa: Campingparzellen stehen oft leer

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Kuressaare (wwot) – Die estnische Insel Saaremaa ist ein Reiseziel erster Güte. Jedenfalls national. Wer es sich leisten kann in Estland, der gönnt sich die Sommerfrische auf Saaremaa oder der kleineren Schwester Hiiumaa. Bevorzugt werden dabei Ferienhäusschen im Grünen, aber auch Hotel- oder Pensionszimmer. Auch die Hütten oder kleinen Holz-Bungalows auf den wenigen Campingplätzen der Insel sind gut gebucht, aber die Caravan- und Wohnmobilparzellen stehen selbst während der Hochsaison zum größten Teil leer. Warum?

Herrliche Strände im Insel-Süden. Fotos: Henze
Herrliche Strände im Insel-Süden. Fotos: Henze

Ago Lieblik, Inhaber des Campingplatzes Tehumardi an der Insel-Südküste bei Salme, erklärt den Mangel an internationalen Camping-Touristen gerne mit den hohen Kosten für die Fähre. Aber dies ist sicher kein Argument, denn die Fähren sind, verglichen mit zentraleuropäischen Fährverbindungen, überaus günstig. Als Basispreis für Wohnmobile vom Festland nach Saaremaa – genauer Muhu – können 7,70 Euro gelten, ebenso für Wohnanhänger. Die Basispreise für Pkw und Personen liegen deutlich darunter. Ein Beispiel: Phoenix 8800 MB auf Iveco Eurocargo, dahinter ein Pkw-Trailer mit Pkw, zwei Personen, macht: 20,20 Euro.

An den Fährkosten wird es also nicht liegen, denn diese Kosten sind im Grunde marginal, wenn man sie in Bezug auf die Kraftstoff- und Mautkosten der Anreise betrachtet.

Viel Platz für Caravans und Wohnmobile auf dem Campingplatz Tehumardi.
Viel Platz für Caravans und Wohnmobile auf dem Campingplatz Tehumardi.

Tatsächlich muss aber abgewartet werden, ob die Fährkosten in dieser Höhe erhalten bleiben. Denn, inzwischen ist dies klar geworden, warum seit kurzem ältere Fähren eingesetzt werden und die modernen estnischen Inselfähren demnächst auf der Elbe von Brunsbüttel nach Cuxhaven fahren. Die Reederei hat schlicht die Ausschreibung nicht mehr gewinnen können und es soll bereits in Kürze ein anderer Anbieter die Insel-Linien übernehmen. Mal schauen, ob die ursprüngliche Qualität der Fähren und die Ticket-Preise erhalten bleiben.

Es gibt nur noch wenige Schotterstraßen auf Saaremaa.
Es gibt nur noch wenige Schotterstraßen auf Saaremaa.

However, die Fähren werden jedenfalls mit den leeren Campingplätzen kaum etwas zu tun haben. Tatsächlich könnte man die Situation vielleicht eher der langen Anreise von bis zu 2.000 km aus Deutschland anlasten. Aber auch das erscheint nicht wirklich schlüssig, denn es würde nicht das Fehlen der Finnen auf Saaremaa erklären, für die die Anreise zumindest im letzten Teil von Helsinki über Tallinn nach Saaremaa eigentlich ein Klacks ist.

Auch die Tagespreise der Campingplätze auf Saaremaa sind gemessen an Zentraleuropa oder Skandinavien überaus günstig. So ist es kaum möglich, mit dem Caravan oder Wohnmobil mehr als 15 Euro täglich zu zahlen, wohlgemerkt, in der Hochsaison.

Zugewachsene Wege auf dem Campingplatz Mändjala.
Zugewachsene Wege auf dem Campingplatz Mändjala.

Tatsächlich dürfte für das Ausbleiben vieler Campinggäste wohl eher der Zustand beziehungsweise die organisatorische Mischung der Plätze verantwortlich sein. Da die Balten unserem Verständnis nach keine typischen Camper sind und Caravans und Wohnmobile dort keine Tradition haben, werden vor allem verdichtet zum Wochenende Holzbungalows oder Zeltplätze angemietet. Oft hat dies auch mit Feierlichkeiten zu tun. Auf dem Campingplatz Tehumardi sind Hochzeitsgesellschaften im „Firehouse“ mit mehr als 100 Gästen an den Sommerwochenenden die Regel. Dort geht es mit ordentlich Mucke dann die ganze Nacht durch und vor allem die Kinder sind gerne auch des nächtens auf dem Campinggelände unterwegs und sei es auch nur, um den Spielplatz zu benutzen. Dass dies alles nicht geräuschlos von statten geht, andererseits diese Veranstaltungen für den Campingplatzbetreiber zur Sicherung der wirtschaftlichen Prosperität unverzichtbar sind, muss man wissen und akzeptieren oder nicht.

Ein einziges Wohnmobil auf dem Campingplatz beim Karujärv.
Ein einziges Wohnmobil auf dem Campingplatz beim Karujärv.

Ein wenig anders steht es um den anderen großen Campingplatz der Insel. Mändjala liegt in einer absoluten 1a-Lage direkt am schönsten Strand der Insel. Und trotzdem ist auf dem Campingparzellen kaum bis überhaupt nichts los. Tatsächlich sind diese aber auch kaum noch mit einem durchschnittlich großen Wohnmobil oder einem Caravan zu erreichen, da die Parzellen und Wege dorthin zum größten Teil zugewachsen sind. Auch ist der Zustand des Platzes querschnittlich betrachtet deutlich verbesserungswürdig. Oder wie eine estnische Inselkennerin kürzlich anmerkte: „Dort würde ein Besitzerwechsel sicher nicht schaden.“ Bemerkenswert ist auch, dass der Wohnmobilstellplatz in Kuressaare oft gut sehr gut ausgelastet ist, was die grundsätzliche Attraktivität der Insel eindrucksvoll bestätigt.

Der Wohnmobilstellplatz in Kuressaare ist häufig gut belegt.
Der Wohnmobilstellplatz in Kuressaare ist häufig gut belegt.

Fazit: Saaremaa ist auch für deutsche Camper immer eine Reise wert. Die Anreise ist durch Fährverbindungen von Deutschland aus per Fähre nach Litauen oder Lettland deutlich zeitsparend und angenehm, aber auch die Anreise über neue polnische Autobahnen und weitgehend gut ausgebaute Fernstraßen im Baltikum ist machbar. Saaremaa bleibt trotz kleinerer Mängel ein erstklassiges Camping-Reiseziel nicht nur für deutsche Touristen. Wolfgang Henze

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