Estnisch über die Elbe

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Cuxhaven (wwot) – Ende August soll erneut eine Fährverbindung über die Elbe zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven den Betrieb aufnehmen. Es ist damit ein weiterer Versuch, um diese Traditionslinie wieder zum Leben zu erwecken. Diesmal könnte er allerdings gelingen, obwohl die Gründung der neuen Elbe-Link Reederei wohl eher in einem geschäftlichen Misserfolg zu liegen scheint.

Die "Muhumaa": Bis vor kurzem noch im estnischen Inseldienst im Einsatz, demnächst auf der Elbe. Fotos: Henze, Sopha
Die „Muhumaa“: Bis vor kurzem noch im estnischen Inseldienst im Einsatz, demnächst auf der Elbe. Fotos: Henze, Sopha

Zwei Fähren sind bislang für den Einsatz auf der rund 25 km langen Route zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven vorgesehen. Im 90-Minuten-Takt sollen sie Schleswig-Holstein mit der Hafenstadt an der Elbemündung verbinden, und damit einen direkten Auto- und Eisenbahnzugang vor allem für den Frachtverkehr westlich von Hamburg schaffen. Bei entsprechender Nachfrage soll im kommenden Jahr eine weitere Fähre eingesetzt werden, um den Takt verdichten zu können.

Der alte England-Fähranleger in Cuxhaven wird neu in Dienst genommen
Der alte England-RoRo-Anleger in Cuxhaven wird nicht neu in Dienst für die Fähre genommen, aber der beim Steubenhöft.

Geplant sind zu Beginn jeweils zwölf Abfahrten in beide Richtungen. In Brunsbüttel wird dazu ein erst 1999 neu erbauter Fähranleger genutzt, und in Cuxhaven soll der frühere England-Anleger beim Steubenhöft aktiviert werden. Die Überfahrt wird je nach Tide rund 60 bis 70 Minuten dauern und soll für einen Pkw 25 Euro kosten.

Die Fähre "Jonas" hat neben anderen älteren Schiffen den Dienst nach Saaremaa übernommen.
Die Fähre „Jonas“ hat neben anderen älteren Schiffen den Dienst nach Saaremaa übernommen.

Für den Einsatz auf dieser Linie sind zwei hochmoderne Doppelend-Fähren eingeplant, deren Indienststellung erst vor fünf Jahren in Estland stattgefunden hat. Die insgesamt drei bei AS Fiskerstrand BLRT in Norwegen ausgerüsteten Schiffe – die Rümpfe wurden bei JSC  Western Shipyard im litauischen Klaipeda erbaut –, wurden unter den Namen „Muhumaa“, „Saaremaa“ und  „Hiiumaa“ für die „Saaremaa Laevakompanii“ im estnischen Inseldienst zwischen Saaremaa, beziehungsweise Muhu, und Hiiumaa eingesetzt.

Die FRS-Fähre "Sylt Express" (Havneby - List/Sylt) ist bauähnlich zu den modernen estnischen Fähren.
Die FRS-Fähre „Sylt Express“ (Havneby – List/Sylt) ist bauähnlich zu den modernen estnischen Fähren.

Dieses Fährsystem gehört sicher zu den modernsten, schnellsten und kostengünstigsten in Europa. Die Fähren sind rund 97 m lang, 18 m breit und gehen vier Meter tief. Sie können bis zu 600 Passagiere und rund 160 Pkw auf zwei Decks transportieren. Im Insel-Einsatz vor Estland bestechen sie darüber hinaus durch hochmoderne und schnelle Abfertigungsanlagen, sowie einer bemerkenswert guten Gastronomie und angenehmen Passagierräumen mit Steckdosen und kostenfreiem Internet-Zugang.

Die estnischen Insel-Dienste sind gut ausgelastet.
Die estnischen Insel-Dienste sind gut ausgelastet.

Seit kurzem setzt die estnische Reederei wesentlich ältere Fähren ein, die einen deutlich schwächeren Service bieten und konnten nur so die zwei beziehungsweise drei modernen Schiffe für den Einsatz auf der Elbe bereit stellen.

Auf Recherche in See: Auf die estnischen geht es für die nächstse Zeit nur mit alten Fähren
Auf Recherche in See: Auf die estnischen Inseln geht es für die nächste Zeit nur mit alten Fähren

Tatsächlich scheint dieser neue Einsatz und die Elbe-Link Reedereigründung jedoch eine betriebswirtschaftliche Notoperation zu sein, da die „Saaremaa Laevakompanii“ bei der erneuten Ausschreibung für den estnischen Inseldienst unterlegen gewesen sein soll. Ab Herbst des Jahres soll dort ein anderer Anbieter zum Zug kommen. Als Hintergrund für den Verlust dieses Dienstes können unterschiedliche finanzielle Beteiligungsvorstellungen zwischen der estnischen Regierung und der „Saaremaa Laevakompanii“ angenommen werden.

Tatsächlich erhält Norddeutschland durch die neue Fährlinie eine leistungsstarke und schnelle Verbindung von Schleswig-Holstein über die Elbe nach Niedersachsen. Ein Gutachten von April 2014 kam zu dem Schluss, dass eine Fährverbindung in der Elbmündung bei entsprechender  Auslastung wirtschaftlich betrieben werden kann. Dafür müssten 265.000 Pkw, 48.000 Lkw und 625.000 Fahrgäste pro Jahr die Passage buchen. Dies sei möglich, erklärte kürzlich die Elbe-Link Reederei. Wolfgang Henze

 

Der Autor meint: Eine moderne und schnelle Fähr-Verbindung in der Elbmündung ist seit Jahren überfällig. Die Elbe-Link Reederei könnte diese Verbindung dort auf Dauer etablieren, insbesondere unter Betrachtung der für den Einsatz vorgesehenen modernen Fähren. Die seit Jahrzehnten, mit Verweis auf eine mögliche feste Elbquerung, unterlassene Modernisierung der Fähren zwischen Glückstadt und Wischhafen könnte sich für die Reederei wirtschaftlich bereits in Kürze verhängnisvoll auswirken. Zwischen den künftig eingesetzten Schiffen liegen maritime Welten, und besonders für den Frachtdienst dürfte die neue Routenführung wesentlich interessanter sein. Aber auch touristisch wird die neue Linie sicher zum Erfolg werden.

 

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6 Kommentare zu Estnisch über die Elbe

  1. Ja was den nun. Was stimmt den jetzt?
    „Der alte England-RoRo-Anleger in Cuxhaven wird nicht neu in Dienst für die Fähre genommen, aber der beim Steubenhöf“
    „In Brunsbüttel wird dazu ein erst 1999 neu erbauter Fähranleger genutzt, und in Cuxhaven soll der frühere England-Anleger aktiviert werden“
    Das wiederspricht sich doch. Und dasin ein und dem SelbenText genau unter einander.

  2. werden auch Passagiere mit Fahrädern befördert oder nur Autos mit Insassen? Was würde das als Fußgänger pro überfahrt kosten?

  3. Zu den Ticket-Preisen habe ich keine weiteren Informationen. Es ist aber sicher davon auszugehen, dass auch Passagiere mit Fahrrädern befördert werden. Ich wünsche einen schönen Abend

  4. Das ist toll das die Fahrzeiten und die Preise vorliegen. Jetzt vermisse ich nur die Wohnmobile, als was gelten diese Fahrzeuge?
    Vielen Dank im voraus.

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