Von der Müritz bis nach Stralsund: Langsamkeit und Natur entdecken

Mit dem Primus Kormoran über Havel, Oder-Havel-Kanal, Oder, Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße und dem Greifswalder Bodden auf große Reise

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Rechlin/Stralsund (whe) – Es ist die längste planmäßige Reise mit einem Hausboot in Deutschland. Mit einem Primus Kormoran von Deutschlands Marktführer Kuhnle-Tours führt sie vom Hafendorf Müritz bei Rechlin über eine Vielzahl von Seen, Flüssen, Kanälen und Küstenrevieren zum Ziel. Nach 550 km Fahrt und rund zwei Wochen wird das Ziel der Reise erreicht. Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern. Hinter der Crew liegt dann durchaus eine anstrengende nautische Herausforderung, vor allem aber eine tolle Reise durch phantastische Seen-, Fluss- und Küstenreviere. Ein unvergessliches Erlebnis, Deutschland und Polen von seinen schönsten Seiten zu sehen. Die wwot-Redakteure Sabine Sopha und Wolfgang Henze haben diese Reise mit einem Kuhnle-Kormoran erlebt.

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Die Oder bei Gartz. Fotos: Sopha, Henze

„Kannst Du nicht das Wohnmobil ein bisschen näher zur Pier heranfahren“, höre ich nicht zum ersten Mal an diesem sommer-herrlichen Freitag. Sabine ist unwirsch, denn jede 400m- Tour mit einer kleinen Karre und Bergen von Ausrüstung und Lebensmitteln nervt. „Ja, nee, wir stehen da so gut, und hinterher ist der Platz weg“, entgegne ich ebenfalls nicht zum ersten Mal. Tatsächlich ist viel los im Hafendorf Müritz, denn das ist sozusagen der Haupt-Heimathafen mit Werftbetrieb von Kuhnle-Tours, dem eigentlich schwäbischen Hausbootvermieter, den es aber bereits vor etlichen Jahren an die Müritz gezogen hat.

Der Skipper jetzt als Schleusenwärter.
Der Skipper jetzt als Schleusenwärter.

Eine gewaltige Flotte von verschiedensten Hausboot-Typen und -Größen, aber auch Segelyachten und Motorboote, hat dort festgemacht. Viele von ihnen starten dort zu ausgedehnten Rundreisen über die Müritz oder die vielen angrenzenden Seen. Hausboot-Tycoon Harald Kuhnle hat inzwischen x-weitere Stützpunkte eröffnet, in oder rund um Berlin, in Marienwalde, Zehdenick, Brandenburg und inzwischen auch im polnischen Stettin. Aber ebenso auch in Masuren, dem Oberländischen Kanal und dem Küsten- und Boddenrevier bei Danzig, aber auch in Frankreich und den Niederlanden. Auch in Stralsund hat Kuhnle-Tours eine Station, und mehrfach im Jahr werden Einweg-Fahrten von Rechlin zu dieser mecklenburg-vorpommerschen Hafenstadt angeboten, die über rund 550 km Wasserstraßen sowie See- und Küstenreviere, durch etliche kleine und große Schleusen und auch über das Schiffshebewerk in Niederfinow zu erreichen ist.

 

 

Wolf, der Skipper
Wolf, der Skipper

 

Eine durchaus große Reise mit einem stählernen Kormoran, der locker nach ganz andere Touren absolvieren könnte. „Demmin“ heißt der 1280er, den wir nach sorgfältiger technischer Einweisung in der Marina übernehmen werden. „Mmhhh, nur zwei Mann Besatzung“, brummt der Kuhnle-Servicemann und wiegt das Haupt bedenklich. „Das machen wir schon, keine Sorge“, entgegne ich, aber tatsächlich könnten auch neun Leute mitfahren, soviele Kojen gibt es an Bord, und letztlich ist der Dampfer ja auch knapp 13 Meter lang und verdrängt rund 13 Tonnen Wasser. Das ist ordentlich, der Trumm muss ja auch manövriert werden, da kann die ein oder andere sachkundige Hand grundsätzlich nicht schaden. Ein bisschen häßlich sind sie eigentlich, die Kormorane, aber nichts desto Trotz phantastische Schiffe, wie sich schnell nach Beginn der Reise herausstellt.

 

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Ordentlich Verkehr auf der Oberhavel.

 

Raum ohne Ende, Installationen in Haushaltsqualität, keine filligrane Camping- oder Günstig-Boot-Technik, alles solide vom Wasserhahn über Türklinken bis hin zu Herd oder Kühlschrank. Auch schiffbaulich gilt es nichts zu vermissen, der starke Antriebsdiesel, das hydraulische Bugstrahlruder, das leichtgänge Ruder, da lässt es sich leicht vom Aussen- oder Innensteuerstand fahren.

 

Von Rechlin bis an den Zotzensee

Am ersten Tag geht die Fahrt über die Schleuse Mirow bis in den Zotzensee. Dort wird das erste Ankern organisiert, die Ausrüstungsschlepperei hat müde gemacht, die ersten Kilometer (ja, Binnenfahrt misst in Kilometern) wurde locker absolviert, auch das Schleusenmanöver war kein Problem, eine fröhliche zehn-Mann-Männer-Crew auf einem 1500er Kormoran schien ein paar Problemchen mehr in der Schleuse zu haben. „Ankern ist gut“, sagt die Bordfrau, „aber bitte da wo die Sonne noch scheint.“ Ich gebe gerne zu, dass dies eine Herauforderung an einen möglichen Ankerort war, die mich während  langer Seefahrtszeit bei der grauen Dampferkompanie so nie erreicht hätte, aber bitte gerne. „Ankern wo die Sonne scheint, yes M´am!“

Die Bordfrau badet.
Die Bordfrau badet.

 

Am zweiten Tag ging es über etliche Seen und die Oberhavel, einige Schleusen wie die in Priepert oder Fürstenberg bis zum Stolpsee. Das Wetter war phantastisch, der Anker fiel in der Sonne, so blieben wir dort auch gleich den dritten Tag liegen, den wir mit schwimmen, grillen, lesen und nix-tun phantastisch verbrachten. Dann ging es weiter, über die Oberhavel, an Zehdenick vorbei bis Liebenwalde zum nassen Dreieck von Oberhavel und Oder-Havel-Kanal. Blinker raus, scharf links rum und weiter bis zur Marina nach Marienwerder. Die Erinnerung sagt: Bauernfrühstück und kühles Bier vom Faß.

Der Oder-Havel-Kanal ist ordentlich langweilig, erfreuliche Abwechslung brachte jedoch eine Vielzahl von Frachtschiffen, meist mit Kohle oder Schrott beladen, die zwischen Berlin und Stettin im Shuttle-Verkehr fahren und sogar nachts mit Scheinwerferunterstützung unterwegs sind. Das Schiffshebewerk ist schon der Kracher, da guckt man 37 Meter in die Tiefe, ist irgendwie froh, wenn man mit dem Dampfer wieder raus ist. Der Höhepunkt des Tages war schließlich dann die Schleusenanlage von Hohensaaten an der Wriezener Alten Oder, wo der Schiffs- und Wassersportverkehr entweder in die Oder oder in die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße durchgeschleust wird. Auf beiden Wegen landet man in Stettin, wir wählten den Kanal, weil wir am Bollwerk in Gartz übernachten wollten.

 

Der Herr spricht zu uns

Sabine fährt.
Sabine fährt.

Eine kleine Pier mitten im Wasser wies Sportbootfahrer an, dort festzumachen und einen Melde-Knopf an einer Signalanlage zu drücken. Also ratz fatz angelegt, wir waren ganz alleine im Vorhafen unterwegs, der Skipper auf die Pier, der Knopf gedrückt, umgedreht und zurück an Bord. „Wo wollen sie hin?“ Ein mächtige Stimme ergoss sich von oben über mein Bestreben wieder an Bord zu krabbeln. Mir, wie auch der Bordfrau, gefror das Blut in den Adern. Ich drehte mich um, kehrte langsamen Schrittes zu dem Melde-Knopf zurück, kein Lautsprecher zu sehen, kein Mikrofon, nix. „Wo wollen sie hin?“ Die Stimme wurde deutlich ungehalten. Und, „ich schwörs“, ich habe zum ersten -und hoffentlich auch zum letzten Mal in meinem Leben- einen elektrischen Schalter angesprochen. Oder besser, ich wollte ihn ansprechen, denn inzwischen hatte ich vergessen wo ich war oder hin wollte, hätte nichts zu erklären gewußt. Aber die Stimme half: „Ah, ich sehe sie auf dem Monitor, bin noch bei der anderen Schleuse, komme gleich rüber, dann geht´s los.“ Die Schweißperlen auf der Stirn wichen langsam, ich war froh wie ich an Bord war und nach wenigen Minuten die Ampel auf grün sprang und sich das große Schleusentor öffnete. Besatzung auf Manöverstation, Antriebsdiesel gestartet, alle Leinen los und ein und los ging´s.

Herzlichen Willkommen in Stralsund.
Herzlichen Willkommen in Stralsund: Der Skipper bevorzugt Bosman-Bier

Zwei Mann Besatzung bedeutet: Die Bordfrau handelt die Leinen auf dem Vorschiff, der Skipper fährt, stoppt, legt an, rast über das Promenadendeck zur Leiter, jumped aufs Achterdeck, greift die Achterleine und macht den Dampfer hinten fest. Soweit so gut. Also langsam rein in die Schleuse, die Kammer ist ewig groß. „Pass auf Süße, zehn Meter voraus ist ein „Nagel“ in der Spundwand, da geht die Vorleine drüber!“ „Alles klar.“ Aufgestoppt, Vorleine drüber, Skipper übers Promenadendeck, Leiter runter, Achterleine in die Hand und hilflos die zigmeter hohe Spundwand hochgeguckt. Und die ist quasi glatt wie ein Kinderpopo, jedenfalls nichts zum festmachen, kein eingelassener Poller oder Nagel, nix. Drei Meter achteraus allerdings, also Leine aufgeschossen hingelegt, Leiter hoch, übers Promenadendeck, ans Ruder: „Wir müssen drei Meter achteraus, schön die Vorleine fieren!“ „Alles klar“. Fahrthebel auf zurück, langsam geht die „Demmin“ achteraus. Fahrthebel auf Stopp, halt fest die Vorleine, ratz fatz übers Promenadendeck, Leiter runter, 30 Grad in praller Sonner, Achterleine in die Hand, über den „Nagel“, nur noch belegen. „Sag mal, kann das sein dass die Schleuse schon wieder aufgeht?“ „Häh?“. Tatsächlich, nicht zu fassen, achtern alles wieder los, Leiter, Promenadendeck, „Vorne alles los und ein“, und weiter geht´s. Das steht fest, die Schleusenanlage von Hohensaaten ist inklusive ihres Vorhafens irgendwie nicht mein Ding. Egal.

 

 

Resümee

Schöne Tage schlossen sich an, bis nach rund zwei Wochen Stralsund, das Ziel der Tour, erreicht wurde. Es war eine tolle Reise, die durch unglaublich schöne Landschaften führte, herrliche See- und Flußreviere berührte und das Leben auf einem Primus Kormoran ist ohnedies phantastisch. So richtig schön ist ein “ Kormoran“ ja eigentlich nicht, aber für uns wäre er auch für weitere Binnenfahrten die erste Wahl und sollte es jemals ein eigenes Flussschiff werden, dann müsste es ein Primus Kormoran von der Kuhnle-Werft in Rechlin sein. Trutzig im Äußeren, aber toll in Raum, Ausstattung und Technik. Wolfgang Henze und Sabine Sopha

 

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2 Kommentare zu Von der Müritz bis nach Stralsund: Langsamkeit und Natur entdecken

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