Rendsburg – Kiel: Mal mit der Bahn fahr´n

Wer mit dem Wohnmobil in Rendsburg oder Schacht-Audorf steht, kann für einen City-Ausflug nach Kiel auch gut die Bahn nehmen

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Die Rendsburger Hochbrücke. Fotos: Henze

Rendsburg/Kiel (whe) – Zugegeben, als Bahnkunde bin ich echt aus der Übung. Genoss ich in den ersten Marinejahren das Wochenende noch regelmäßig in vollen Zügen, liess die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs jedoch schlagartig nach, als das erste eigene Auto vor der Hütte stand. Egal, jetzt musste es mal wieder die Bahn sein, Wohnort und Ausfall eigener Verkehrsmittel machten es unerlässlich. Die Bahnlinie Rendsburg – Kiel ist aber vielleicht auch eine gute Empfehlung für Wohnmobilisten, die mangels stadtzentralen Stellplatzes in Kiel lieber in Rendsburg oder Schacht-Audorf stehen und ein praktisches Verkehrsmittel für einen Besuch der schleswig-holsteinischen Landesmetropole benötigen. Wolfgang Henze berichtet.

Die Bahn kommt.
Die Bahn kommt.

In unscharfer Erinnerung entsinne ich mich an ein paar kurze Bahnfahrten vor ein paar Jahren, als ich aus redaktionellen Gründen nach Sylt musste, was eine Bahnfahrt mehr oder weniger zwingend werden lässt. Von Niebüll nach Westerland/Sylt ging es da, hab jedenfalls aus dieser Zeit den Standard-Fahrkartenautomaten nicht in allerbester Erinnerung. Im Grunde trägt Iveco ein klein wenig Veranwortung an dieser kurzen Bahnreise, eigene Tumbigkeit aber ebenfalls. Das Wohnmobil musste nämlich wegen eines Lecks an der Vorderachs-Luftfederung in die Werkstatt (wwot berichtete darüber: Link). Die beste aller Lebensgefährtinnen lag schließlich mit einem grippalen Infekt darnieder, der Schlüssel für die Trailer-Diebstahlsicherung ruhte wohl verwahrt im Wohnmobil (also in der Kieler Werkstatt), so musste beim Abholen des Phoenix eben der Pkw in Kiel bleiben, und genau den galt es zurückzuführen, da ich ihn ja nicht auf dem Trailer ins Schlepp nehmen konnte.

Ein paar Tage später zum Bahnhof nach Rendsburg zu kommen war einfach, denn erfüllt von preußischem Pflichtbewusstsein schaffte es die malade Lebensgefährtin dann doch mit dem eigenen Pkw zum redaktionellen Sonntagsdienst, und von da ist es nur ein Sprung bis zur Schienenanbindung.

Brückenpassage über den Nord-Ostsee-Kanal.
Brückenpassage über den Nord-Ostsee-Kanal.

„Ich würde gerne den Zug um Dreizehndreiundfünzig kriegen, meinst du wir können fahren?“ Man will ja keinen Stress im ländlichen Häuschen erzeugen, insbesondere dann nicht, wenn die Lebensgefährtin noch ein bisschen fiebert. „Ja, geht gleich los.“

13:40 war der Rendsburger Bahnhof erreicht, mir graute vor dem Automaten, denn es fehlte ja noch ein Billett für die Reise. Nun ja, ich habe einen Einzelfahrschein herausquetschen können, aber es dauerte seine Zeit, denn ich wurde nach einer bestimmten Verbindung gefragt, aber die von mir geplante kam leider auf dem Monitor-Angebot nicht vor. Insofern zog es sich ein wenig. Meine Verwunderung darüber erledigte sich wenige Minuten später, denn in der Tat, die von mir aus dem Online-Fahrplan ausgeguckte Zugverbindung nach Kiel gab es überhaupt nicht.

 

Hinweis für die Bahn: Es wäre kaum auszuhalten, wenn die große Monitor-Fahrplananzeige auch eine aktuelle Uhrzeitangabe hätte!

Einmal rund um die Schleife.
Einmal rund um die Schleife.

Wie auch immer, bereits –welch Glück- eine halbe Stunde später fuhr jedoch der nächste Zug, der fehlenden Verbindung sollte später auf den Grund gegangen werden. Tatsächlich lief der Regional-Express pünktlich in Rendsburg ein, war in angenehmen Maß besetzt und rollte auch pünktlich wieder los.

Ein Kunstkenner auf Reisen.
Ein Kunstkenner auf Reisen.
Kunst am Gleis.
Kunst am Gleis.

Und jetzt konnte die Bahn dann doch ordentlich punkten. Der touristische Aspekt der Tour von Rendsburg nach Kiel ist schon gewaltig. Da, des Kaisers Verdikt lag dem einst wohl zu Grunde, der Rendsburger Bahnhof ganz dicht beim Nord-Ostsee-Kanal oder eben auch mitten in der Innenstadt liegen sollte, musste ein neuer lokpraktikabler Weg zur Querung der großen künstlichen Wasserstraße beschritten werden. Und so entstand die Rendsburger Schleife. Jeder Zug muss sich nämlich, je nach Richtung bergauf oder bergab, einmal rund um den dadurch gebildeten Stadtteil Schleife auf Höhe bringen, bevor der Kanal gequert werden kann. Ich bin ziemlich davon überzeugt, dass aus diesem Grund kaum eine andere deutsche Stadt einen besseren Bahn-Ausblick bieten kann.

Langsam ging es schließlich über den langgezogenen Süd-Damm der Kanalquerung wieder bergab, bis der Regionalexpress von der Hauptstrecke nach Hamburg Richtung Osten zur schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt abbiegen konnte. Mit ordentlich Fahrt passierten wir die neuen Haltepunkte Schülldorf und Bredenbek und ich fragte mich unwillkürlich, was es wohl zeitlich für die Bahn bedeuten würde, wenn auch dieser Regionalexpress an den kleineren Haltepunkten unterwegs stoppen würde. Für die Menschen auf dem „platten Land“ wäre es jedenfalls sicher ein Stück Mobilität mehr, und ebenfalls ein Ausdruck vom Servicewillen des Bahnbetreibers. Nun ja, mir war es wurscht, ich wollte ja nach Kiel.

Bewegte Menschen zwischen Rendsburg und Kiel.
Bewegte Menschen zwischen Rendsburg und Kiel.

Hinweis für die Bahn: Es wäre sehr wünschenswert, wenn die Bahn einen aktuellen Fahrplan online stellen würde, und keinen abgelaufenen!

Je dichter man an Schleswig-Holsteins Metropole heran kam, desto mehr bekam ein ganz anderer Faktor der Reise Bedeutung. Es geht um Kultur, wenn man so will. Denn es gab kaum einen Meter Mauer oder Brückenfront, der nicht von Sprayern in Farbe gebracht worden wäre. Darunter waren etliche sehr bemerkenswerte Gemälde, muss man schon sagen.

Die Bahn ist da.
Die Bahn ist da.
Der Hauptbahnhof von Kiel mit der Kaisertreppe.
Der Hauptbahnhof von Kiel mit der Kaisertreppe.

Pünktlich erreichte der Regionalexpress schließlich den Bahnsteig 6 b in Kiel. Was bleibt festzustellen: Der Zug war pünktlich, nicht übervoll, der Fahrpreis war ok und der touristische Aspekt, insbesondere in Bezug auf Rendsburgs Kanalquerung, aber auch das gesprayte Kulturangebot im Kieler Raum enorm. Will sagen: Kann man machen, aber dann war ich doch froh, als ich schließlich wieder Platz in meinen Pkw nehmen konnte. Aber allemal für City-Besucher aus Rendsburg ist der Express eine gute Idee, denn man landet mitten in der Kieler Innenstadt und hat vor allem keine Parkplatzprobleme.

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