Lass rollen: On the road again!

Herausforderungen des us-amerikanischen Straßenverkehrs für Wohnmobile

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Williamsburg (wwot) – Rund 4.500 Kilometer haben wir auf unserer Reise entlang der Parkways im Südosten der USA bislang zurückgelegt. Ein „Stehtag“ in Williamsburg/Virginia bietet Gelegenheit, die Herausforderungen des us-amerikanischen Straßenverkehrs in Bezug auf die Fahrt mit einem Wohnmobil vorzustellen. Groß sind sie nicht, die Herausforderungen, wer mit dem Straßenverkehr in den USA nicht klarkommt, der schafft es anderswo sicher auch nicht, denn hier geht eigentlich alles gemählich und umgeben von reichlich Raum auf den Straßen ab.

In der Vorsaison sind nur wenige Recreation Vehicles in den USA unterwegs.
In der Vorsaison sind nur wenige Recreation Vehicles in den USA unterwegs.

In den USA lernt man den Segen von restriktiven Geschwindigkeitslimits zu schätzen. Mehr als 70 Meilen geht nirgendwo, immerhin sind das rund 110 Stundenkilometer, die dann aber regelmäßig auch von allen Verkehrsteilnehmern, also auch Lkw (da gibt es aber durchaus Ausnahmen) gefahren werden dürfen. 70 Meilen ist die Maximalgeschwindigkeit auf den Interstate-Highways, auf anderen Straßen können 65 Meilen gelten, meist aber deutlich darunter. 60 Meilen beispielsweise auf Highways, 55 auf drittrangigen Straßen, 45 oder 35 Meilen in Ortsdurchfahrten, rund um Schulen gelten, per Flashlight aktiviert, oft sogar 20 Meilen, also rund 32 Stundenkilometer.

Wenn der Schulbus hält, gilt das Stoppzeichen für alle.
Wenn der Schulbus hält, gilt das Stoppzeichen für alle.

„Speed Limits enforced by aircraft“, Geschwindigkeitsüberwachung per Flugzeug, wird bisweilen auf Highways angedroht, oder auch exorbitant hohe Strafen für „speeding“, die gegebenenfalls in Baustellen („When workers are present“) oder rund um Schulen noch verdoppelt werden können, so die Ankündigung auf Hinweisschildern. Wer Müll auf der Straße aussenbords wirft, der hat mit Strafen bis zu 1.000 Dollar zu rechnen, und rücksichtsloses Fahren wird beispielsweise in Indiana mit bis zu acht Jahren Gefängnis bedroht. Wir müssen sagen: „Uns gefällt das sehr“. Umso mehr „Law enforcment“-Organe deutlich öfter als vergleichsweise in Deutschland auf den Straßen zu sehen sind. So ist es nicht ungewöhnlich, dass am Anfang einer Baustelle ein Sheriff mit seinem Dienstwagen steht, genauso wie mittendrin oder auch am Ende. In Deutschland beinahe undenkbar, in den USA mehr oder weniger Normalität. Selbst um einen Unfall ohne Personenschäden auf einem Highway tummeln sich schnell zwei oder drei Polizei-, Sheriff- oder Trooper-Fahrzeuge. Der Verkehr wird eben strikter als in Europa überwacht.

Wer Natur erleben will, muss natürlich von den großen Straßen runter.
Wer Natur erleben will, muss natürlich von den großen Straßen runter.

Das alles hat deutlich dazu geführt, dass der Straßenverkehr wesentlich entspannter und vor allem rücksichtsvoller abgewickelt wird, als beispielsweise in Deutschland. Auf den letzten 4.500 Kilometern mit dem Wohnmobil in den USA musste ein einziges mal gebremst werden, weil jemand ein bisschen schlank auf die Spur wollte, zwei Mal vom Gas gegangen werden, weil jemand auf die eigene Fahrspur an einer Kreuzung einbog. Grundsätzlich kann auch davon ausgegangen werden, dass andere Fahrer nach Möglichkeit beim Einbiegen auf die Straße sich letztlich immer die Fahrspur suchen, wo sie andere am wenigsten behindern. Das ist sehr angenehm.

Bei Natchez über den Mississippi rüber.
Bei Natchez über den Mississippi rüber.

Beinahe völlig unbekannt ist auch drängeln oder „Löcher zufahren“, wenn beispielsweise eine Fahrspur endet („Merge left“ oder „Merge right“), man wird immer rein gelassen, oder man überholen will (passen), wobei das auf mehrspurigen Straßen (und das sind die meisten) auch rechts möglich ist.

Ob man auf einer mehrspurigen Straßen rechts, in der Mitte oder links fährt ist dabei weniger eine Frage der Geschwindigkeit, da die in aller Regel mehr oder weniger gleich ist, sondern vor allem eine des Fahrtziels. Rechts fahren die, die an einer der nächsten Abfahrten oder Kreuzungen rauswollen, in der Mitte oder links die Fahrzeuge, deren Fahrtziel weiter entfernt liegt. Eine tolle Sache, die bisweilen aber auch durch Verbote („Trucks with three or more axles use only the right lane“) oder sogar durch die Anweisung, dass die linke Spur nur für Fahrzeuge freigegeben ist, in denen zwei oder mehr Insassen transportiert werden.

Die Parkways sind der Hit und urgemütlich zu befahren.
Die Parkways sind der Hit und urgemütlich zu befahren.

Wir empfinden, wie auch bei etlichen früheren Besuchen, den Verkehr als überaus entspannt in den USA und wer auf den amerikanischen Straßen nicht klarkommt, der dürfte überall auf dem Globus Probleme haben.

Sehr angenehm ist auch der verfügbare Verkehrsraum. Wenn nicht per Hinweisschild angekündigt wird (was selten ist), das der folgende Routenabschnitt nicht für größere Fahrzeuge geeignet ist, dann kann man mit einem Wohnmobil bedenkenlos in jede Straße oder auch in jeden Parkplatz einfahren. Für Einkaufszentren gilt das sowieso, aber auch für die Parkplätze der Fastfood-Ketten oder welche shops auch immer. Üblich ist in den USA, dass man jeden Parkplatz ohne Rückwärtsfahren auch mit größeren Fahrzeugen wieder verlassen kann. Von daher hat man auch kaum Probleme mit einem größeren RV (selbst mit „Beiboot“) Platz zum Drehen zu finden, wenn man sich mal verfahren hat. Irgendwas geht immer.

Entpsannt unterwegs: Cruising-Wolf fährt, Reading-Sabine schmökert.
Entspannt unterwegs: Cruising-Wolf fährt, Reading-Sabine schmökert.

Und wer mal ganz besondere Straßen befahren möchte, der sollte Parkways, wie beispielsweise den Natchez Trace Parkway oder den Blue Ridge Parkway, ansteuern. Über hunderte von Kilometern gibt es dort keinen gewerblichen Verkehr, keine Werbung, keine Trucks, nichts. Und die restriktiven Geschwindigkeitsbegrenzungen sorgen auch auf diesen Strecken für eine sehr angenehme Verkehrsführung. Wir mögen das sehr, und es ist trotzdem möglich mit einem Wohnmobil am Tag bequem 500 bis 600 Kilometer auf dem Asphalt zurückzulegen. Dies lässt auch die Riesen-Entfernungen in den USA überschaubar werden. Wolfgang Henze

 

 

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