American Dream: Eine Frage der Technik

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Slideout und fixe Anschlüsse. USA-Motorhomes können punkten, aber nicht in jedem Bereich. Fotos: Henze, Sopha

Washington D. C./College Park MD (wwot) – Camping ist in den USA anders als in Deutschland. Auch unterscheiden sich die Freizeit-Fahrzeuge erheblich von denen hier im eigenen Land. In der Regel sind die amerikanischen größer, verwenden oft aber auch völlig andere technische Systeme oder Ideologien, als europäische Caravans oder Wohnmobile. Und eben die Technik kann dabei von sagenhaft bis sagenhaft reichen.

Da fließt es hin, das Frischwasser.
Da fließt es hin, das Frischwasser.

 

Sabine räumt ein.
Sabine räumt ein.

Lass blubbern!
Seit gut einer halben Stunde läuft das Wasser nun aus allen Hähnen im kürzlich für die USA-Reise übernommenen Wohnmobil. Es ist ein Sondergrundriss des Coachmen-Class C-Wohnmobils „Leprechaun“. Volldinette im vorderen Fahrzeugbereich, gegenüber ein durchaus veritables und umbaubares Sofa, Küchenzeile, Bad und längs eingebautes Doppelbett auf der rechten Fahrzeugseite. Der Alkoven über dem Ford E-350-Triebkopf wurde wie auch beim eigenen Phoenix 8800 MB bereits als Lagerraum zweckentfremdet, reichlich Platz für zwei Reisende bietet das Coachmen-Motorhome allemal. Sieben Kojen insgesamt hat der „Leprechaun“, der von einem V 8-Benziner mit 5,7 Liter Hubraum und ordentlichem Kraftstoffverbrauch (30 bis 35 Liter auf 100 Kilometer) angetrieben wird. Automatikgetriebe, natürlich, wird in den USA wohl kaum noch mechanische Schaltgetriebe geben, wer sollte sie auch bedienen können.

Das Wasser läuft, oder exakter, es läuft nicht wirklich, sondern blubbert lautstark vor sich hin. „Mmhhh“, denkt der geneigte Reisende, „irgendwann muss die Luft doch raus sein.“ Es handelt sich nämlich um die Kunden-Erstbefüllung des Frischwassertanks, der trocken im Werk übernommen werden musste. Aber hier, auf dem KOA-Campingplatz in der Nähe von Indianapolis soll alles anders werden. Wird es aber nicht, denn nicht nur dass das Blubbern nicht endet, entleert sich doch offensichtlich auch der Frischwassertank auf geheimnisvolle Weise, behaupten jedenfalls die LED der Vorratsanzeige.

Und siehe da, Thimoteus, hinten links läuft fröhlich das Frischwasser wieder aus der Karosserie hinaus. Ich will es kurz machen, denn das ist ein eigenes Thema (Stay tuned!). Eine Leckage irgendwo, kein Wasser also an Bord, aber jetzt schlägt die amerikanische Technik zu, denn beinahe runter bis zum Zwei-Mann-Zelt verfügen in den USA alle Freizeitbehausungen über einen City-Wasseranschluss, und der rettet uns, wenngleich sich leider der Warmwasserbereiter in den Leckage-Defekt mit eingegliedert sieht. Aber bitte, auf den Campingplätzen gibt´s über den City-Wasseranschluss frisches kühles Nass, und Wasseranschlüsse gibt es nahezu auf jedem Stellplatz.

Großzügiges Raumgefühl.
Großzügiges Raumgefühl.

Wieviel Strom hätten Sie denn gerne?
Üblicherweise gibt es auch Strom bis zu 30 oder 50 Ampere und auf sogenannten Full-hooked-Sites auch einen eigenen Abwasseranschluss. Richtig, und Kabel-TV. Die kommerziellen us-Campingplätze sind schon Top ausgestattet, nehmen zwangsläufig aber auch Top-Preise. 40 bis 60 Dollar sind es überwiegend, aber es geht auch deutlich teurer. Günstiger kann es vor allem auf den Campinggrounds in den Naturparks werden, aber die haben in der Regel grandiose Natur, dafür aber weniger Komfort zu bieten.

Anschluss gefunden.
Anschluss gefunden.

Standardisierte Anschlüsse!
Tatsächlich sind Anschlüsse an den Freizeitfahrzeugen in hohem Maße standardisiert, ebenso wie die auf den Campingplätzen. Seeklarzurück geht in Minuten, dann hat man Strom, Wasser, TV und eine fixe Abwasserversorgung. Wenn man es so will.

Im Anschluss fährt man dann die Slideouts aus (vorher gucken ob auch der Luftraum frei ist), bis zu fünf haben wir bei großen Motorhomes oder Fifth-Wheelern gezählt, und dann kann Camping so richtig beginnen. Nach dem Tausch des Fahrzeugs, wegen der Leckage, bekamen wir übrigens ein größeres, mit dem ersten Slideout unseres Lebens. Wir sprachen gerne vom Puppentheater, weil insbesondere der innere Rahmen daran erinnerte. Nach dem Fahrzeugwechsel hatten wir dann ein richtiges Queensbett, das allerdings nur mit ausgefahrenem Slideout genutzt werden konnte. Nachteilig war allerdings, dass der Neue über ein deutlich winzigeres Bad verfügte und es für uns schleierhaft blieb, wie wohl ein US-Camper mit der stärkeren Figur, die Toilette benutzen soll. Egal, wir kriegten es noch knapp hin.

Die Dometic-Markisen sind robust.
Die Dometic-Markisen sind robust.

Die Markisen sind der Hit!
Sehr praktisch sind die amerikanischen Awnings, die Aussenmarkisen, die übrigens von Dometic stammen. Die sind deutlich robuster als die europäische Filigrantechnik, können total auf Häringe verzichten, sind in Sekunden ausgefahren, neigungsoptimiert und festgesetzt; eine tolle Sache, die mich in Bezug auf das eigene Wohnmobil nachdenklich stimmt.

Ebenso sind die Kochplatten eine Offenbarung, da die Flammen über ein gemeinsames ebenes Gitterrost verfügen und man Töpfe fröhlich hin- und herschieben kann. Auch war der Kühlschrank äußerst leistungsfähig, bot zusätzlich ein großes Gefrierfach, in dem beispielsweise auch reichlich Raum für die zweitbeste Erfindung nach dem Dieselmotor geboten wurde.*

Die Kochstelle ist klasse.
Die Kochstelle ist klasse.

Lärm ohne Ende!
Die größte Schwäche us-amerikanischer Freizeifahrzeuge, und die scheint sie in großer Gemeinsamkeit zu verbinden, ist jedoch der Lärmpegel. Heißwasserbereiter, Gebläse-Heizung und Dachklimaanlagen erzeugen innen wie außen einen Höllenlärm, der dem Startlauf eines modernen Airbus durchaus vergleichbar erscheint. Es ist nicht zu fassen und zwingt vor allem nachts zu rigorosen Maßnahmen, wenn man ein wenig Ruhe haben will. Lieber bei eiskalten Innentemperaturen schlafen, als abwechselnd der Heizung und dem Warmwasserbereiter bei der Arbeit zuzuhören. Übrigens, eine kleine Einschaltungenauigkeit bei den Lärmerzeugern, dann stimmt auch noch die Dachklimaanlage vollautomatisch im Heizmodus mit ein und mit der Ruhe ist es vollends vorbei. Ja, man muss es zugegeben, der Lärmpegel hat durchaus Einfluss auf unsere Reiseroute gehabt, denn es galt vorzeitig wärmere Gefilde an der Küste anzusteuern, um nicht wegen nächtlicher Ruhestörung aus den Naturparks in den Blue Ridge Mountains vertrieben zu werden. Dieser „Lärmpegel“ wäre in Deutschland sicher absolut unverkäuflich. Oder wie eine Mitarbeiterin der Vermiet-Firma sagte: „Ich mache abends nochmal kurz ordentlich die Heizung an, dass muss dann für eine kalte Nacht reichen.“

Der Mann im "Puppentheater".
Der Mann im „Puppentheater“.

Klasse Raumgefühl!
Sehr angenehm war bei dem Mietfahrzeug jedoch das Raumgefühl. Das hatte auch nichts mit dem Slideout zu tun, der im vorderen Wohnbereich ohnedies nicht wahrgenommen werden konnte. Es bleibt der Eindruck, dass die amerikanischen Fahrzeuge ein paar Zentimeter breiter sind, und damit ein anderes Raumgefühl erzeugen. Gemütlich war auch das Fahren mit dem Motorhome. Enspannt aus tiefen „Wohnzimmersesseln“ heraus, kutschierte man durch die Lande, das Fahrwerk war phantastisch abgestimmt und stand unserer eigenen Volluft-Federung beinahe in nichts nach. Einzig die Mini-Aussenspiegel machten das rückwärts manövrieren ein bisschen schwierig, eine Kamera gab es ebenfalls nicht. All das mag auch erklären, warum der Mietvertrag droht, dass man beim Rückwärtsfahren nicht versichert sei. Es gibt schon wirklich kuriose Verträge, da weiß nicht ob man lachen oder weinen soll.

 

Vorläufiges Fazit!
Für eine schöne Urlaubsreise ist so ein Mietmobil ok; ein Kauf käme jedoch nur dann in Betracht, wenn das eigene Gehör weiter nachlassen und die Toleranz der Nachbar zunehmen sollte. Es sind eben reine Sommerfahrzeuge, selbst bei leichten Minus-Temperaturen ist Schluss mit Lustig. Aber über Herd und Markise werden wir nachdenken. Wolfgang Henze

 

*Fertig-Icecubes

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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1 Kommentar zu American Dream: Eine Frage der Technik

  1. Wenn ich mich an unseren Coachmen in Kanada erinnere, sind mir hinsichtlich der technischen Ausstattung zwei Dinge in Erinnerung geblieben: Der eklatante Mangel an Steckdosen (was muss nicht alles geladen werden: zwei Handys, Tablet, Kamera, dazu müssen mitunter Kaffeemaschine und Toaster laufen) und die funzelige Beleuchtung. Wir hatten zwar einen riesigen Fernseher mit DVD-Player (beides nicht ein einziges Mal benutzt), eine Mikrowelle (ebenfalls nicht) und ein Tiefkühlfach an Bord, aber abends in der Dinette etwas lesen ging bei dem spärlichen Licht nicht. Vielleicht sind das interkontinentale Unterschiede in Sachen Kulturgenuss: Hellere Lampen hätten wahrscheinlich das im amerikanischen Womo vorgesehene Fernsehvergnügen gestört… Wars bei Euch auch so dunkel?

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