Insel Rusnė: Im Land der vielen Wasser

Persönliche Eindrücke aus dem Memeldelta: Erster Teil

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Mit der "Bergziege" auf die Insel Rusne. Fotos: Henze, Sopha

Rusnė (wwot) – Eines haben sie genug, das ist unübersehbar: Wasser. Nach einem Regentag sind die Gräben rechts und links der Straße bis zum Rand gefüllt. Mancherorts schwappt der neu entstandene See zwischen Weidenbäumen und Weidegras fast bis auf den Asphalt. Wir sind unterwegs im Westen des Memellandes, heute der Südwesten von Litauen. Die Orte haben eine deutsche Vergangenheit, doch die Menschen, die hier jetzt leben, sind meist schon in der dritten bis vierten Generation Litauer. Was gleichgeblieben ist: Endlose Wälder und riesige Felder, große Moorgebiete und viele Flüsse. Viel Natur und wenig Mensch.

„Die Insel Rusnė liegt nur etwas mehr als einen Meter über dem Meeresspiegel, darum wird bei leichtem Hochwasser das Wasser aus den Entwässerungskanälen in das Haff gepumpt“, schreibt Hermann Pölking in seinem Buch „Das Memelland: Wo Deutschland einst zu Ende war“1. Und stellt fest: „Bei schwerem Hochwasser zur Zeit der Schneeschmelze sind weite Teile der Insel auch jetzt noch überflutet.“

Überflutete Weide.

Wenn vom Memelland die Rede ist, kommt die Sprache irgendwann auf die Insel Rusnė (deutsch: Ruß). Was wir darüber gelesen hatten, hörte sich interessant an. Aber die Suche auf der Landkarte blieb lange erfolglos. Denn Rusnė ist keine herkömmliche Insel. Zwar gelangt man nur über Brücken oder mit Schiffen auf diesen Landesteil, doch er grenzt nur im Westen ans Meer, genauer gesagt an das Kurische Haff. Im Norden und Nordosten ist es die Atmata (deutsch: Atmath), im Süden die Skirvytė (Skirwieth), die Rusnė zu einer Insel machen. Alles Mündungsarme des Nemunas (Deutsch: Memel).

Die Brücke nach Rusne.

Von Šilute (Heydekrug) kommend führt die Landstraße über eine langgezogene Brücke. Auch hier liegt das Land tief, auf den Feldern haben sich ausgedehnte Seen breit gemacht. Die schwarzbunten Kühe scheint das nicht zu stören, sie stehen gemächlich wiederkäuend auf den Wiesen, die bis zum Horizont reichen. Das Land ist genauso flach wie im Nordwesten Schleswig-Holsteins, in Nordfriesland. Nur, das hier ab und an ein großes Waldstück den Blick aufhält. Wald haben sie hier auch zur Genüge.

Die Insel Rusne.

Aber erst einmal geht’s über die Brücke auf die Insel Rusnė. Von oben fällt der Blick rechterhand auf einen kleinen Campingplatz am Ufer der Atmata, linker Hand liegt nur wenige Meter entfernt die Grenze zum Oblast Kaliningrad. Südlich der Skirwieth war früher auch noch Ostpreußen, die sogenannte Elchniederung, von der ein einstiger Bewohner schrieb: „Zeitweise war die ganze Elchniederung eine Wasserstraße. Das war die Zeit, in der die Bewohner der uneingedeichten Niederung ihr Vieh auf den Heuboden aufgestallt hatten, nur mit Booten zu ihren Häusern gelangen konnten und deren obere Stockwerke beziehen mussten, da in den unteren Räumen das Wasser stand. In Ruß wurden auf dem Dachboden der Kirche für diese Zeit auch Särge bereit gehalten.“2


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