Entsetzlicher Schaktarp: Wenn nichts mehr geht

Persönliche Eindrücke aus dem Memeldelta: Dritter Teil

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Kein Schaktarp, denn es ist erst Herbst, aber es wird spannend. Fotos: Sopha, Henze

Minija (wwot) – Schotterstraßen, monströse Schlaglöcher, geflickter Asphalt – manchmal wird auf litauischen Straßen sozusagen auf natürliche Art für Verkehrsberuhigung gesorgt. Aufmerksamkeit ist gefragt und wie von selbst drosselt der Fahrer das Tempo – was der Beifahrerin bei ihren Landschaftsbetrachtungen sehr entgegen kommt. Aber es kann noch besser kommen, vor allem, wenn es einige Tage stark geregnet hat und auch die Gräben beiderseits der Straßen randvoll sind.

Dieser Zustand erinnerte mich an die fünfte Jahreszeit, von der ich bei meiner Lektüre im Buch „Das Memelland“ erfahren hatte. „Schaktarp“ hieß sie – und bezeichnete jene Zeit, in der die Straßen unpassierbar waren. Im Winter, wenn Schnee lag, war es nicht so schlimm: Mit dem Schlitten gelangten die Menschen an ihr Ziel und auf Schlittschuhen – selbst der Postbote lieferte seine Briefe aus, indem er auf Kufen über die zugefrorenen Wasserflächen lief.

„Schaktarp“ im Oktober: Aus dem Auto heraus scheint der See auf der Straße kein Ende zu nehmen. .

Wirklich unpassierbar waren die Straßen später. „Nach dem Winter kam im Memelland nicht der Frühling“, schreibt Hermann Pölking. Und Ulla Lachauer erklärt in „Land der vielen Himmel“ den Begriff „Schaktarp“: „Das heißt zwischen den Zweigen und ist ein Bild für den Zwischenzustand – nicht fest, nicht flüssig, nicht gangbar, nicht schiffbar. Das Wort kommt aus dem Litauischen, ist wohl auch mit einem altpreußischen verwandt.“ Es war der Zustand der Wegelosigkeit, wenn nichts mehr ging.


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