Perfect Storm: Der Markisenkiller vom Bellamare

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Markise: Vom Sturm zerstört

Das Wetterleuchten über der Adriatischen See Richtung Kroatien hatten wir bereits beim Abendessen bemerkt. Da sich das Wettergeschehen aber weit draußen über See oder sogar über dem Balkan abspielte, hatten wir uns jedoch darüber keine weiteren Gedanken gemacht. Der Wetterbericht sah ohnedies gut aus. Nachdem wir jedoch gegen Mitternacht in die Kojen gekrabbelt waren, stellte sich dies bereits nach einer halben Stunde als Fehler heraus, da wir rund ums Wohnmobil keine Sturmvorbereitungen getroffen hatten. Binnen Minuten wandelte sich die beinahe windstille Nacht in ein orkanzerzaustes Wetterszenario, das uns schlagartig alle Fenster und Oberlichter schließen ließ und uns vor allem zwang, die „Terassenmöbel“ in Sicherheit zu bringen.

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Die Zelt-Bewohner flüchteten sich in die Sanitärgebäude

Es war unglaublich, selbst die Eingangstür des Phoenix ließ sich ob des Windrucks kaum noch öffnen. Wie auch immer, wurden Stühle und Tisch flugs flachgelegt und unter dem WoMo in Deckung gebracht. Einzig unsere kleine Wäschespinne trotze den Wetterunbilden ungerührt, drei Häringe sorgten für eine zuverlässige Verankerung im sandigen Boden.

Der Strand vor dem Campingplatz wurde in die Adria gespült
Der Strand vor dem Campingplatz wurde in die Adria gespült
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Auch der Wegweiser hielt dem Sturm nicht stand

Um uns herum „brannte der Baum“. Ein Nachbar machte sein Wohnmobil seeklar und verschwand auf einer der hinteren Parzellen. Direkt daneben hatte es bereits eine Markise zerfetzt, einzig ein Sturmband bewahrte das Wohnmobil davor, durch das verborgene Gestänge noch zusätzlich beschädigt zu werden. Bäume knickten ab und Äste brachen. Die „Zeltler“ hatten sich vermutlich inzwischen in den Sanitärräumen in Sicherheit gebracht, denn die waren ja dem Wetter nahezu schutzlos ausgeliefert. Die See schlug bis an die Schutzmauer und der Strand vor dem Campingplatz versank peu a peu in der Adria.

Viele Äste gebrochen, etliche Bäume entwurzelt
Viele Äste gebrochen, etliche Bäume entwurzelt

Wir hatten Glück, obwohl wir mehr oder weniger direkt an der Küstenlinie stehen, hielten unsere vier Parzellenbäume durch, kein Ast knickte, kein Gewächs fiel um. Die Markise holen wir nachts ohnedies immer ein, hier in Porto Recanati hatten wir sie bislang überhaupt noch nicht gebraucht. Einzig die Satellitenantenne hatte ich für die Nacht nicht runtergefahren. Eigentlich mache ich das immer und jetzt ging es auch kaum noch. Mehrere Anläufe und ein kurzes Atemholen des Sturms machten es dann aber doch möglich. Mal schauen, ob sie noch funktioniert.

Der Sturm verteilte auch Luftmatrazen über den Campingplatz
Der Sturm verteilte auch Luftmatrazen über den Campingplatz

Tatsächlich war dieser Sturm in keinem Wetterbericht angekündigt. Eine ruhige Nacht sollte es werden, Windstärke eins bis zwei war vorhergesagt. Den Wetteraufzeichnungen des Flugplatzes Ancona-Falconara zufolge, rund 30 Kilometer im Norden, waren es dann aber doch elf Windstärken geworden.

Nun stehen wir da, der Strand ist weg, aber der Wind hat nachgelassen; mal schauen wie es sich entwickelt. Fazit: Einige Sachschäden sind auf dem Platz zu verzeichnen, etliche Flurschäden, aber, Gottseidank: Keine Personenschäden. Eines dürfte jedoch sicher sein. Wer diese Nacht auf dem Campingplatz Bellamare erlebt hat, wird künftig weder Markise noch Satellitenantenne über Nacht „draußen“ lassen.

Unsere Parzellen-Bäume hielten durch
Unsere Parzellen-Bäume hielten durch

 

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Camping Bellamare

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3 Kommentare zu Perfect Storm: Der Markisenkiller vom Bellamare

  1. Seid ihr schon mal im Womo seekrank geworden? Bei mir war es heute Nacht fast so weit. Einen solchen Sturm habe ich selten erlebt – und ich komme von der norddeutschen Küste.

    Es begann damit, dass das Schlafzimmerfenster auf meiner Seite klapperte. Ich nahm an, es hätte zu regnen begonnen, wollte es schließen. Das war schon nicht ganz einfach. Direkt daneben peitschte der Sturm die Äste eines Baumes waagerecht durch die Luft. Wolf schlief. Ich hastete nach draußen, denn an unserer kleinen Wäschespinne zerrten Badehose und Badeanzug an der Leine. Beide drohten die Leine im Flug zu verlassen. Das musste verhindert werden! Kaum im Freien, riss mir der Sturm die Bluse fast vom Leib und verpasste meiner Haut ein Sandpeeling erster Güte, denn der Weg in unserem Platzbereich ist ein Sandweg. Ich sah, dass ein Stuhl bereits flach gelegt worden war. Und während ich mich bemühte, ihn unter dem Womo in Sicherheit zu bringen, kam auch Wolf. Die große Garagentür zu öffnen, daran war gar nicht zu denken, sie wäre uns aus den Händen und – noch schlimmer – wohl aus den Scharnieren gerissen worden.
    Wir verstauten alles, so gut es ging, brachten Kleinteile im Womo-Inneren in Sicherheit und kletterten zurück in unsere vier Wände.

    Die schwankten jetzt allerdings ganz erheblich. Und das bei unserem großen und schweren Gefährt. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Wir schauten nach draußen – ich in Richtung Meer. Große Wellen brachen sich direkt unterhalb der Strandmauer mit lautem Getöse, in der Ferne zuckten Blitze, zwischen Satellitenschüssel und Solarpanelen heulte der Orkan. Mal klang es, als rotiere eine Helikopter direkt über uns, dann klapperte es, dann wieder ein Pfeifen… Ich gebe zu, ich war nicht nur fast seekrank. Es war schon sehr beängstigend. Und ständig schaute ich auf unsere Wäschespinne und konnte kaum glauben, dass sie dem Orkan trotzte – an ihren drei Beinchen von drei Heringen im Boden verankert!

    Eine Waschschüssel trudelte über den Weg, verfing sich im Zaum. Eine leere Wasserflasche trieb der Wind vor sich her. Jeden Moment müsste der Baum direkt neben dem Womo zusammenbrechen, fürchtete ich. Aber er hielt. Doch nur wenige Meter weiter brachen Äste. Und auch die Reste einer Markise konnte ich bei einem Womo flattern sehen. Ich betete still, dass unser neues Gefährt alles unbeschadet überstehen möge. Dann ließ der Wind einwenig nach. Wir gewöhnten uns an der Geschaukel und schliefen nach einer angstvollen Stunde ein.

    Ich muss gestehen, ich hätte nicht gedacht, dass die Schäden so gering ausfielen. Einige dicke Äste waren abgeknickt, haben aber wohl kein Womo beschädigt. Bei den Nachbarn waren die Fahrräder umgefallen, was diese aber mit Gleichmut quittierten. Und ich werde nie, nie, nie wieder mosern, wenn Wolf abends die Markise einfahren will. Was ich offen gestanden bisher immer für übertriebene Vorsicht gehalten habe.

  2. Ich kann die Seekrankheit im wohnmobil gut nschvollziehen. Als wir dieses Jahr im April in Marokko waren ,am Kap der drei Gabeln, was abends auch alles sooooo idyllisch und schön. Wir standen hoch oben und hatten freien Blick aufs Meer. Mit zunehmender Dunkelheit wurde es etwas windig. Dann War es stockfinster und es stürmte. … ich hatte panische angst mit dem kompletten womo ins Meer zu „fliegen“. Da dieser sch….. Wind dann auch noch drehte und uns mehr oder weniger seitlich angriff ,zog mein mann es vor, das Auto ein kleines bisschen zu drehen, damit wir wieder den Wind von vorne bekamen. An wegfahren War nicht zu denken und an Schlaf natürlich auch nicht. Da kam es mir auf jeden Fall auch so vor wie auf einem Schiff. …. also Seekrankheit im womo gibt es …definitiv.

  3. Zu perfekt Storm
    Was sich aber bei und nach so einem Unwetter wieder einmal bewiesen hat ist die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Camper untereinander. Schon wärend des Sturmes versuchten die Nachbarn meine Markise zu retten . Das Gestänge war verbogen und der Antrieb funktionierte nicht mehr. Es blieb nur noch die Möglichkeit die Markise an einem Baum zu fixieren damit sie nicht noch weiteren Schaden am Fahrzeug anrichten konnte. Am nächsten Morgen ging es ans Aufräumen. Die Markise musste runter. Allein wäre ich auf verlorenem Posten gewesen. Einer brachte Werkzeug und Leiter ,der ander seine Kenntnisse und Erfahrung mit,und ein dritter sein Hinweise auf Italienisch die wir trotz geringer Sprachkenntnisse irgendwie verstanden.
    Ich möchte mich auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich bei allen meinen Helfern, besonders beim „Schwaben“, bei meinem schweizer Nachbarn und beim „Doc“ aus Traunstein bedanken.

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