Orkan Capella: Höchste Sturmflut an der Nordseeküste vor 40 Jahren

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Der Orkan Kyrill traf 2007 Deutschlands Küsten lange nicht so schwer wie Capella 1976. Fotos: Henz/BSH

Hamburg/Offenbach (wwot) –  Am 3. Januar 1976 traf die bis bislang höchste Sturmflut die deutsche Nordseeküste, Weser und Elbe. Der durch das Orkantief Capella ausgelösten Flut fielen anders als 1962 an Land aber keine Menschen zum Opfer. Möglich gemacht haben dies eine erfolgreiche Katastrophenvorsorge, vor allem kontinuierlich verbesserte Vorhersagen und Warnungen vor Stürmen und Sturmfluten, wie auch umfassende Deichschutzmaßnahmen. Heute ist die Gefährdung der Küstenbewohner und Wirtschaftsräume durch Hochwasser geringer als vor 40 Jahren. Experten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gehen davon aus, dass Sturmfluten auch künftig beherrschbar sein werden.

Sturmfluttiefs_Ausschnitt_1962+1976
Der Capella-Orkan legte als „Schnellläufer“ in 24 Stunden eine erheblich größere Strecke zurück als der Orkan „Vincinette“, der 1962 zur verheerenden Sturmflut mit über 300 Toten in Hamburg führte. Seine Zugbahn verlief viel weiter südlich, durch die hohen Windstärken wurden trotz der kurzen Dauer des Sturms gebietsweise die höchsten je gemessenen Scheitelwasserstände erreicht.

Am Vorabend des 3. Januar 1976 gab das Seewetteramt Hamburg eine Warnung vor einem schwerem Sturm mit Windstärke 10 Beaufort (Bft) aus Südwest, später auf Nordwest drehend für die Deutsche Bucht heraus. Der Sturmflutwarndienst des damaligen Deutschen Hydrographischen Instituts (DHI) -des heutigen BSH- warnte am frühen Morgen des 3. Januars vor einer sehr schweren Sturmflut (mehr als 3,5 m über dem Mittleren Hochwasser (MHW)) an der gesamten deutschen Nordseeküste für den Nachmittag und Abend. Kurz darauf zeichnete sich eine weitere Verstärkung des Sturms auf Windstärke Bft 11 ab. Das DHI korrigierte die Vorhersagen der Höchstwasserstände um gut einen Meter nach oben. Vom südlichen Teil Nordfrieslands bis zur Unterelbe wurden Hochwasserwerte gemessen, die alle bisherigen Fluten übertrafen. Mit rund 4,5 m über dem Mittleren Hochwasser  (6,45 m über Normal Null) unter anderem am Pegel in Hamburg stellen sie bis heute die höchsten je dort gemessenen Werte dar.

Wettervorhersagemodelle sind heute viel genauer
1976 setzte der DWD ein Wettervorhersagemodell ein, das die Erde mit einem Netz umspannte, dessen Knoten jeweils  381 Kilometer (km) voneinander entfernt lagen. Für jeden dieser Punkte wurde dann das Wetter vorausberechnet. Heute liegt die Gitterpunktweite zwischen 2,8 km beim Deutschlandmodell und 13 km beim globalen Modell des DWD. Damit können Wetterphänomene deutlich besser vorhergesagt werden. Angesichts der vor 40 Jahren noch sehr groben Vorhersagemodelle spielte die Berufserfahrung der Meteorologinnen und Meteorologen eine noch größere Rolle als heute. Gudrun Rosenhagen, 1976 diensthabende See-Meteorologin: „Unser wichtigstes Arbeitsmaterial war damals weniger die Vorhersage aus dem Rechner, sondern die Analyse der Boden- und Höhenwetterkarte und unser Wissen um die Entwicklungsschritte eines Sturmtiefs. Aus den dreistündigen Druckfalländerungen und den Abständen der analysierten Isobaren wurde mit Hilfe empirischer Formeln auf die Windstärke geschlossen.“

Wetterkarte
Ausschnitt aus der handgezeichneten Analyse des Seewetteramtes vom 3. Januar 1976, 12 Uhr Weltzeit (13 Uhr gesetzlicher Zeit). Auf Grundlage der Wettermeldungen von Landstationen und Schiffen wurden die Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks) und Fronten gezeichnet. Gut zu erkennen ist die Drängung der Isobaren im Bereich der Nordsee.

Deiche hielten Stand
Deicherhöhungen und der Bau von Sperrwerken führten dazu, dass die Hamburger Bevölkerung von der Sturmflut am 3. Januar 1976 verschont blieb. Lediglich an wenigen Stellen wie zum Beispiel im Unterelbebereich seewärts von Stade, an denen Maßnahmen zum Schutz vor Sturmfluten noch nicht umgesetzt waren, kam es am Nachmittag des 3. Januar 1976 zu Überläufen, Deichbrüchen und Überschwemmungen. Andernorts beschädigte die Sturmflut vereinzelt die Deiche schwer. Sie hielten aber Stand. Dennoch verursachten der Sturm und die Flut Schäden in Milliardenhöhe, besonders an den Hafenanlagen und Gütern im Hamburger Hafen.

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