Unterschätzt: Deutsche Binnenschifffahrt befördert 230 Millionen Tonnen Güter

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Duisburg (wwot) – Knapp 230 Millionen Tonnen Güter wurden im vergangenen Jahr über deutsche Flüsse und Kanäle transportiert. Den höchsten Anteil an den Gütern im Binnenschiffsverkehr haben Rohstoffe. So wurden im 2014 rund 56,5 Millionen Tonnen Erze, Steine und Erde (sowie sonstige Bergbauerzeugnisse) transportiert. 37,5 Millionen Tonnen Kokerei- und Mineralölerzeugnisse wurden verschifft, ebenso wie 35,5 Millionen Tonnen Kohle, Erdöl und Erdgas.

Kohlentransport auf dem Oder-Havel-Kanal. Fotos: Henze
Kohlentransport auf dem Oder-Havel-Kanal. Fotos: Henze

Eine Vielzahl von Schiffen vollbringt eine enorme Transportleistung auf deutschen Binnengewässern und –wasserstraßen. Entwickelt hat sich die Binnenschifffahrt von der Flößerei über die Treidel- und Dampfschifffahrt bis hin zur Motorschifffahrt. Wie auch in der Hochseefahrt gibt es ebenfalls eine Vielzahl unterschiedlichster Schiffstypen.

Schiffbare Gewässer hatten noch vor wenigen Jahrzehnten eine größere Bedeutung als heute. Große Flüsse und deren Nebenflüsse prägten einst, aber auch heute, ganze Wirtschaftsräume.

Jahres-Statistik 2014
Jahres-Statistik 2014

Bedeutsam sind in Deutschland für die Binnenschifffahrt die Flüsse Rhein, Main, Donau, Mosel, Neckar, Weser, Elbe und Oder. Hinzu kommen hunderte Kilometer ausgebaute Kanalstrecken. Zu nennen wären der Mittellandkanal – größte West-Ost-Wasserverbindung in Deutschland hinter dem Nord-Ostsee-Kanal –, der Elbe-Havel-Kanal, Elbe-Seitenkanal, Main-Donau-Kanal, Oder-Havel-Kanal, Rhein-Herne-Kanal, Dortmund-Ems-Kanal, Datteln-Hamm-Kanal und Wesel-Datteln-Kanal. Die letzten drei treffen sich in Europas größtem Kanalknotenpunkt in Datteln. In Deutschland gibt es rund 7.300 Kilometer Binnenwasserstraße. 75 Prozent davon sind Flüsse, der Rest Kanäle. 335 Schleusen, 280 Wehre, drei Schiffshebewerke (Scharnebeck, Niederfinow, Henrichenburg), zwei Talsperren und 1.300 Brücken sorgen für reibungslosen Verkehr. Die meisten der deutschen Großstadtregionen haben auch einen Binnenwasserstraßenanschluss, der Duisburger Hafen ist der größte Europas.

Frachtschiffe transportieren Güter, vor allem Container, Kohle und Erze, Agrargüter, Erdöl und Erdölprodukte, Sand und Kies, Stahl und Schrott sowie Gefahrgüter. Die Bedeutung der Fahrgastschifffahrt hat als touristisches Verkehrsmittel ebenfalls zugenommen. Mittlerweile verkehren auf deutschen Gewässern rund 1.000 Fahrgastschiffe, die jährlich rund zehn Millionen Fahrgäste befördern. Die Flotte der Fluss-Kreuzfahrtschiffe wächst ebenfalls.

In Westeuropa sind etwa 15.000 Fahrzeuge – ohne Hilfs- und Versorgungsfahrzeuge – in der Binnenschifffahrt gemeldet, wobei die Länge der europäischen Wasserstraßen 39.500 Kilometer beträgt.

Produkten-Tanker "Theodora" auf dem Wesel-Datteln-Kanal
Produkten-Tanker „Theodora“ auf dem Wesel-Datteln-Kanal

In Europa wird durchschnittlich fünf Prozent der Transportleistung durch die Binnenschifffahrt erbracht. In einigen europäischen Ländern liegt der prozentuale Anteil am Binnentransportaufkommen jedoch höher. In Deutschland beträgt er etwa 10,1 Prozent, in Belgien 14,3 Prozent und in den Niederlanden sogar 14,9 Prozent. Der Gütertransport auf Wasserstraßen steht damit an dritter Stelle hinter dem Transportaufkommen auf der Straße und auf der Schiene.

Die Binnenschifffahrt ist gegenüber Straße und Schiene beim Energieverbrauch der wirtschaftlichste Verkehrsträger. Ein Schiff mit 1000 Tonnen Tragfähigkeit transportiert soviel wie vierzig Lkw oder ein Güterzug. Ein Schubboot mit zweimal 1.700 Kilowatt (ca. 2312 PS) verbraucht 500 Liter Dieselöl pro Stunde in der Fahrt zu Berg und kann vier Leichter mit einer Nutzlast von 10.000 Tonnen schieben. Dies bedeutet bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 Stundenkilometer einen Verbrauch von 0,5 Liter pro 100 Tonnenkilometer (tkm). In der Fahrt ohne Fracht zu Tal wird nicht mehr mit voller Kraft gefahren. Dann verbraucht ein solches Schubboot nur noch 300 Liter pro Stunde. Durchschnittlich verbraucht die Binnenschifffahrt für 100 Tonnenkilometer etwa 1,3 Liter Diesel, die Bahn etwa 1,7 Liter und der Lkw-Verkehr etwa 4,1 Liter. Wolfgang Henze

Schleusenvorhafen in Dorsten am Wesel-Datteln-Kanal.
Schleusenvorhafen in Dorsten am Wesel-Datteln-Kanal.

 

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