Abenteuer Calico Park: Wo kühnste Träume wahr werden können!

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Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich: Fliegende Mobilheime. Fotos: Henze, Sopha

„Turning your Dreams into Reality“ lautet der Titel der homepage des Residential mobile home and holiday parks “Calico Park” nahe Vila Nova de Cacela an der portugiesischen Algarve. Als wir den Park mit dem Wohnmobil vor knapp einem Jahr erstmals ansteuerten, hätten wir nicht zu träumen gewagt, welche Wendung die Bedeutung dieses Titels für uns nehmen könnte.

Vor rund elf Monaten waren wir ausschließlich begeistert von diesem Campingpark, was sich verständlich begründet auch auf worldwideontour.de nachlesen lässt: Bezaubernde Algarve: Portugal mit Folgen.

Die Begeisterung für Menschen, Landschaft, Lebensgefühl und Campingpark schlug quasi emotionale Purzelbäume, führte schließlich zum Kauf eines richtig guten Pemberton-Mobilheimes in Großbritannien (mit Brexit-Klausel!) und der Anmietung eines schönen Mobilheim-Stellplatzes im Calico Park. Denn dort wollen wir künftig die Winter verbringen und irgendwann auch zur Ruhe setzen. Aber inzwischen hat dieser wunderbar klingende Homepage-Titel eine gänzlich neue Bedeutung bekommen, wenngleich dies für viele andere Park-Bewohner ebenfalls gilt. Ordentlich Ärger bedeutet er nämlich im Wesentlichen, wie sich schnell herausstellte.

Wir alle hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht, oder besser, ohne Parkbesitzer Salvador Correa de Sa, einem Lissaboner Geschäftsmann, der irgendetwas mit den Regeln des ehrbaren Kaufmanns durcheinander gebracht zu haben scheint.

Schöne Winter-Ferien auf dem inzwischen auf Dauer gesperrtem Camping-Gelände des Parks

Überraschende Wendung

Unser Plan nahm eine überraschende Wendung mit dem Weggang des Sales Managers Mitte letzten Sommers, der ansonsten vor Ort im Park die Residenten betreute, Ankäufe und Organisation leistete, überaus zuverlässig wirkte, was allerdings im Lichte der Zeitläufe wohl auch anders zu bewerten sein dürfte. Von dem Zeitpunkt seines Weggangs an war jedenfalls nicht nur die ansonsten gute Verbindung zum Park, sondern auch die zum britischen Händler, Caravans in the sun in Stoke-on-Trent, so gut wie abgerissen.

Bestellt man heutzutage eine Packung Einwegrasierer, dann wird man quasi im Stundentakt online per Paketverfolgung über deren aktuellen Standort informiert, mit einem britischen Mobilheim ist das jedoch gänzlich anders. Da weiß man im Zweifel monatelang nicht wie, was, wann und wo? Und genau so war´s, kaum bis keinerlei Antworten auf e-mails von Park und Händler, keine schriftlichen Lieferbestätigungen oder was auch immer. Auch die Form der Rechnungslegung wies Tücken auf, die aber erst dann so richtig auffielen, als es andere Kunden gleichermaßen betraf.

Ohne nähere Info oder Bestätigung zum ursprünglich geplanten Liefer- und Aufbau-Termin des Pemberton Rivingtons, machte ich mich Mitte August mit dem Wohnmobil auf die Anreise nach Portugal, traf dort am 27. August abends ein, was in der Rezeption auf Verblüffung stieß, da man sich dort offensichtlich noch keine weiteren oder detaillierte Gedanken über Lieferung und Aufbau gemacht hatte.

Am ursprünglichen Liefertag war noch nichts geschehen auf Plot 36.

Diese Vermutung unterstrich auch der Zustand des vorgesehenen Grundstücks, das fröhlich als Parkplatz für andere Mobilheime umzu genutzt wurde und keinerlei bauliche Vorbereitungen für die Bela Cabana aufwies. Auch wenn es unmittelbar nichts mit den eigenen Bauabsichten zu tun hatte, aber der gesamte frühere westliche Campingbereich des Parks war inzwischen gesperrt worden, stand und steht komplett nicht mehr zur Verfügung und das auf Dauer.

Da machte sich weitere Verblüffung breit, denn Mobilheim-Grundstücke, sogenannte Plots, waren noch kurz zuvor, sogar bis zum heutigen Tag (Link), als verfügbare Stellflächen für neue Mobilheime online angepriesen worden. Das Misstrauen wuchs.

Am Tag nach der Ankunft wurde in der Rezeption schließlich ein ernstes Wörtchen gesprochen, welches immerhin das Ergebnis erbrachte, dass die Anlieferung der Bela Cabana, warum und auf welches Datum auch immer, verschoben worden sei und daher auch noch nichts auf dem Grundstück geleistet worden war. Es sei im Moment alles „muito dificil“.

Ratlos an der Algarve

Das allerdings fand ich auch und fragte mich, wie ich das alles der besten Lebensgefährtin nahebringen könne, die zwei Tage später per Flieger einschweben sollte und ihren Urlaub exakt auf das Einräumen der Bela Cabana eingeplant hatte. Das einzig Erfreuliche an der Situation war, dass wir in diesem Elend nicht alleine steckten, sondern sich unsere künftigen schwedischen Park-Nachbarn in der exakt gleichen Situation befanden. Allerdings mit dem Unterschied, dass die ihre Wohnung in Schweden komplett aufgegeben hatten, nun quasi auf vier Rädern lebten und das im Ungewissen, wo denn das künftige Zuhause abgeblieben sei.

Großartig: Sabine und die Algarve

Machen wir es kurz: Wir verbrachten mehr als vier Wochen im Park, gefangen zwischen Optimismus und Hoffnungslosigkeit, aber zu guter Letzt standen schließlich die beiden bestellten Pemberton Mobilheime – von irgendeinem Subunternehmer im wochenweisen Abstand per Schwertransport angeliefert – vor dem Park.

Sagen wir mal so: Bei „Caravans in the sun“ würde ich aufgrund dieser Erfahrungen selbst bei gutem Wetter kein gebrauchtes Fahrrad mehr mieten, und dabei habe ich den Ärger über ein knappes Dutzend bislang noch nicht behobener Defekte und Beschädigungen an der Bela Cabana noch gar nicht in Betracht gezogen. Dieses Problems werde ich mich aber noch in diesen Tagen tatkräftig annehmen.

Endlich: Die Bela Cabana ist angekommen. Foto: Karin Selldahl

Mängelbericht der Gemeinde

Aber es kommt besser. Inzwischen wurden wir nämlich darauf aufmerksam gemacht, dass der Park wegen verschiedener Mängel in Sachen Infrastruktur, Beleuchtung, Brandschutz und missbräuchliche Nutzung von landwirtschaftlichen und Naturschutz-Flächen keine Betriebsgenehmigung mehr hat. Und dies offenbar seit Jahrzehnten nicht.

Die letzte förmliche Überprüfung durch die Gemeinde im Mai 2019 bestätigte diese Mängel in dem öffentlichen Abschlussbericht einmal mehr; der Parkeigner hatte zuvor auch wenig bis nichts getan, um die Mängel abzustellen. Apropos, acht Mobilheime im Park – erfreulicherweise unseres nicht – stehen ohnedies auf illegalem Grund und Boden, da landwirtschaftliche Fläche.

Baustopp

Mutmaßlich hatte ihn zuvor wohl das Genehmigungsverfahren zweier EU-Förderprojekte zur Infrastrukturverbesserung des Calico Parks, dabei geht es um knapp 500.000 Euro nicht-rückzahlbarer Gelder der EU-Steuerzahler (Link), von der Erfüllung seiner vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Residenten und Campern im Park – denn dazu gehört sicher auch eine gültige Betriebsgenehmigung – zeitlich davon abgehalten.

Keine Betriebserlaubnis, aber EU-Förderung

Bemerkenswert: Trotz Widerspruchs der aufsichtsführenden Gemeinde wurden beide Förderprojekte genehmigt, was nach Abschluss des Ersten gemäß EU-Förderbescheids ALG-02-0853-FEDER-033689 am 31. Dezember 2019 nun die Frage aufwirft, wo denn bloß des Steuerzahlers Kohle abgeblieben sein mag, denn ausser ein paar gezogenen Gräben – deren Weiterbau allerdings durch die Gemeinde während einer Inspektion am 10. Dezember 2019 untersagt worden war – ist seit zig Jahren nichts mehr in die Infrastruktur auf dem Platz investiert worden.

Der Baustopp wurde übrigens verhängt, weil es sich bei dem „Baugebiet“ bekanntermaßen naturschutzrechtlich um eine Ausgleichsfläche handeln soll, die keinerlei Infrastrukturmaßnahmen zulässt.

Baustopp aus Naturschutzgründen auf dem Ost-Teil des Geländes.

Unabhängig von diesen zugegebenermaßen grundsätzlichen Betrachtungen fielen aber auch wir selbst ins wenig wohlwollende Auge von Platzbesitzer Salvador Correa de Sa – der sein aus zwei Plätzen bestehendes Camping-Imperium über die Firmen Transcampo und Transcampo II in Lissabon – dirigiert und im Calico Park vor Ort als Parkmanager kommandiert.

Plot 36 für die Bela Cabana

Bereits mit dem letzten sommers abhandengekommenen Sales Manager hatten wir über eine Vergrößerung unseres Grundstücks gesprochen, weil wir festgestellt hatten, dass dessen Zuschnitt für das auserwählte Mobilheim doch ein wenig schlank war: „Kein Problem, das ist eine Entscheidung fürs Leben und es ist ja genug Platz vorhanden,“ lautet in etwa dessen Antwort im Frühjahr 2019.

Bereits während des ersten Tags nach Ankunft bot sich die Gelegenheit dieses Thema, trotz allen Informationsärgers rund um Lieferung und Aufbau, mit Platz-Besitzer Salvador Correa de Sa zu besprechen. Der Habitus eines hanseatischen Kaufmanns vermittelte sogleich Vertrauen, kein Problem sei das alles, ich mag doch gemeinsam mit Vorarbeiter Goucha, ein überaus netter und tatkräftiger Georgier, alles neu ausmessen, die Eckpunkte der Bela Cabana markieren, er würde sich das dann anschauen.

Zwei Plots sieht der Plan vor: Auf Nummer 36 steht die Bela Cabana.

So geschah´s, alles ok, der „hanseatische Kaufmann“ nickte den neuen Zuschnitt und die Aufstellmarkierungen zwei Mal ab, es wurde letztlich alles um 62 Quadratmeter Grund teurer, kein Problem. Im Gegenteil, der Platzbesitzer regte sogar an, das Grundstück kostenfrei noch ein wenig vergrößert abzurunden und im Süden, vor der Nachbarin Grundstück, solle schließlich ein kleiner öffentlicher Garten entstehen. So weit, so gut. Die Jahrespacht wurde entsprechend erhöht, in Rechnung gestellt und unmittelbar überwiesen.

Sorgfältig von eigenem Personal eingemessen und aufgestellt.

However, der Kran senkte Tage später die Bela Cabana auf die Aufstellmarkierungen ab, tatkräftig nahm sich die Arbeitertruppe des Campingparks der Installation an, Versorgungs- und Entsorgungsleitungen waren zuvor gelegt worden, Betonfundamente wurden gegossen, alles nahm seinen Lauf, wenige Tage später war die Hütte installiert, zusätzlich sogar – das erinnerte mich an das Buch Schiffsmeldungen von Annie Proulx – sogar an die Fundamente angekettet worden.

„Ein kleineres Problem“

Einige Tage später erschien Salvador Correa de Sa auf dem Schauplatz und wies mich auf ein „kleineres Problem“ hin, das da lautete: „Ich habe mich geirrt, eigentlich sind hier drei Stellflächen, und so wie du jetzt stehst, kann ich kein drittes Mobilheim mehr aufstellen.“ (Anmerkung: Der Plan sieht nur zwei Mobilheime in diesem Bereich vor.)

Es gäbe zwei Möglichkeiten, die da wären: Bela Cabana in die Enge umstellen (Anm: offensichtlicher Unsinn) oder das „dritte Grundstück“ (Anm.: Eigentlich ein öffentlicher Weg und ein Teil von dem „Plot“ ist ein Abhang, von daher ist der Vergleich der Anmietung eines Küstengrundstücks bei Ebbe sicher zulässig) dazu mieten, was eine zusätzliche Monatsbelastung von rund 230,- Euro bedeuten würde.

Aufmerksame Zuschauer.

Zugegeben, wenn wir künftig auf Fleisch verzichten könnten, würde das schon gehen, nur, wir lassen uns eben ungerne bescheißen, umso mehr wir zur Kenntnis nehmen mussten, dass ähnliche Nummern bereits in der Nachbarschaft gelaufen waren. Wir verweigerten uns also, natürlich.

Der Rückzug?

Diese kognitive Dissonanz fand ihr vorläufiges Ende Mitte Dezember jedenfalls mit der Aussage des Platzbesitzers: „Dann bekommst du keinen Vertrag und darfst auch keine Terrasse bauen.“ Also, wir empfinden das als Nötigung, um es milde auszudrücken und sind auch schon ganz gespannt, wie es weiter gehen mag. Allerdings sind wir wohlbegründet optimistisch, denn in Anbetracht der Gesamtsituation im Calico Park dürfte das wohl eher das kleinste Problem sein, umso mehr dann, wenn die Europäische Union zu wissen begehrt, wo denn das schöne Geld der Steuerzahler geblieben sei, von der noch immer fehlenden Betriebsgenehmigung des Parks mal ganz abgesehen. Und auch die Durchsetzung der geforderten Mieterhöhung für die Caravan-Dauercamper von bislang beispielsweise 1.400,- Euro pro Jahr auf mehr als 12.000,- Euro ab Januar 2020 dürfte noch eine zusätzliche Herausforderung für das Parkmanagement darstellen.

Die Bela Cabana auf ihrem Grundstück.

However, kurzfristig hat der Herr nun zum Jahresende 2019 seinen Rückzug aus der Geschäftsführung erklärt und sich als „Aufsichtsrat“ nach Lissabon verfügt. Möglicherweise braucht er einfach mehr Zeit für die EU, die Betriebsgenehmigung, die Durchsetzung der unfassbaren Mieterhöhung oder einfach nur für die Genehmigung unserer Terrasse. Schauen wir mal, was auch das neue Park-Management zu leisten vermag. Wir sind schon ganz gespannt. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, mag sich gerne im Blog SalvadorsParadise informiert halten: Link

Um die Geschichte an dieser Stelle nicht negativ enden zu lassen: Das Team in Calico Park vor Ort, egal ob in Rezeption, Restaurant oder handwerklich auf dem Platz unterwegs, ist richtig gut und überaus freundlich. Nette Menschen. Die gibt es dort eben auch.

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