Wie ich Dänemark lieben lernte

Seit 40 Jahren: Immer wieder in den Norden

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Südstrand auf der Insel Romö. Fotos: Henze

Es war im Juli oder August 1971. Damals verbrachte ich erstmals gemeinsam mit meinen Eltern und meinen Geschwistern Ferien in Dänemark. In einem schmucken Ferienhaus in Bøtø By auf der wunderschönen Insel Falster. 16 Jahre alt war ich da, hätte mir kaum vorstellen können, dass diesem Erstling später mehrere Hundertschaften Besuche und Aufenthalte folgen würden. Damals weit aus dem Ruhrgebiet angereist, änderte sich die Sachlage bald gravierend, da mich mein Lebensweg nur ein Jahr später in die graue Dampferkompanie führte, so dass bereits Ende der 1970er Jahre der Wohnsitz nach Schleswig-Holstein verlegt werden musste.

Sabine und der Autor

Dies führte schließlich zu einer Vielzahl von Camping- und Ferienhaus-Urlauben bei den nördlichen Nachbarn, die nicht nur mit der wunderschönen Landschaft, sondern auch mit ihrer großen Gelassenheit und Freundlichkeit punkten können. Beim Grenzübertritt verliert sich schlagartig die germanische Hektik, selbst der Verkehr läuft wesentlich entspannter als in Deutschland, was ebenfalls großartig ist.

Der Strand bei Nr Lyngvyg.

Die Aufenthalte in Dänemark hatten über die Jahre aber nicht nur Urlaubscharakter, sondern ein erheblicher Teil meines Berufslebens spielte sich dort ebenfalls ab, allemal in dänischen Gewässern und Häfen. Die schiffbaren dänischen Wasserstraßen und Gewässer kenne ich mutmaßlich alle, von den Seestädten viele, Frederikshaven und Kopenhagen waren quasi unsere Zweit-Heimathäfen, die traditionell sehr oft von deutschen Schnellbooten besucht wurden.

Speerspitze unterwegs

Wobei mir jetzt schlagartig noch etwas zur dänischen Gelassenheit einfällt. Während eines Nato-Manövers im Frühjahr 1990 sollte eine Schnellboot-Rotte der damaligen Bundesmarine, wenige Monate später zur Deutschen Marine mutiert, dem dänischen Marinechef die noch relativ neuen Waffensysteme in See vorführen. Durch einen Planungsfehler ereilte dieser Auftrag ausgerechnet die beiden jüngsten, mithin unerfahrensten Kommandanten im Geschwader, wobei ich der absolute Benjamin war, da ich das Kommando über mein Schiff erst zu Beginn des Manövers, Bold Game 1990 -genau-, übernommen hatte, mithin in dieser kleinen Formation als „Rottenknecht“ diente. Irgendwo in einer Bucht wurde der dänische Flottenchef von einem ankernden Versorgungsschiff übernommen. Und dann zügig, hohe Fahrstufen, Gefechtsstaffel und wenige Minuten später wurde über das Online-Führungssystem – kein Quatsch, gab´s damals schon – ein Alarmschießen mit der Artillerie angeordnet. Und so ballerten die beiden deutschen Flugkörperschnellboote fröhlich Übungsmunition auf ein imaginäres Ziel irgendwo in See.

Urlaub auf Vadehavs Camping.

Wir waren begeistert von unserer Einsatzbereitschaft, hielten uns bei aller Bescheidenheit ja ohnedies für die maritime Nato-Speerspitze in der Ostsee, eine Einschätzung die ein paar Stunden später allerdings einen Knick erfuhr. Abends, nach dem Einlaufen in Kopenhagen, erzählte mir mein Kommandanten-Kollege, dass sich während des Schießens folgendes Gespräch zwischen ihm und dem dänischen Admiral in der Operationszentrale aufgetan hätte: „Dürfen sie überall schießen, Herr Kapitänleutnant?“ „Aber ja, wenn die Sicherheitsbedingungen erfüllt sind, überall.“ „So so, auch in dänischen Hoheitsgewässern?“ Hoppla, da war uns – mir war es ehrlicherweise zugegeben an Bord meiner Hochleistungs-Arche auch nicht aufgefallen – ob unserer Eilfertigkeit ein gravierender diplomatischer Lapsus unterlaufen, denn natürlich darf man nicht in des Nachbarn maritimen Vorgarten rumballern.

Keine Frage, diese Nummer hätte unsere jungen Kommandanten-Karrieren schlagartig ins Stolpern bringen können, wenn die Gelassenheit des sympathischen dänischen Flaggoffiziers es nicht bei unserer ehrlichen Entschuldigung und einen kleinen Umtrunk in Kopenhagen belassen hätte. Ein Däne, eben.

Phantastisches Urlaubsland

Dänemark ist ein phantastisches Urlaubsland; weite großartige Natur, tolle Ferieneinrichtungen und Strände, gepflegte Gastronomie und quirlige Städte locken mich über die Jahrzehnte immer wieder an und daher stehe ich auch seit geraumer Zeit mit dem Wohnmobil auf Vadehavs Camping in Dänemark, Auge in Auge mit dem Naturpark Wattenmeer, selbst die Einschränkungen der Covid-19-Pandemie lassen sich hier angemessen und einfach erfüllen.

Vom Bus gestreift

Aber dennoch, es ist ja nicht alles positiv. Gehen wir zurück ins Jahr 1971. Gemeinsam mit meinem Bruder hatten wir uns für einen geführten Reitausflug angemeldet. Die Chefin der Truppe war eine bildhübsche junge Frau mit einem blonden Pferdeschwanz, die natürlich sofort unsere Aufmerksamkeit errang. Pferd hinter Pferd führte der Weg über einen schlanken Pfad in Strandnähe, gesäumt von jungen Bäumen und kantigen Sträuchern. „Ich sag Dir, dass ist eine Dänin da vorne“, informierte ich meinen Bruder, der hinter mir trabte, oder besser schritt. „Wie kommst du da drauf?“ Irgendwie eine blöde Frage, schließlich waren wir in Dänemark, worauf ich folgerichtig antwortete: „Guck doch, die trägt keinen BH!“ Das war nun von hinten durch das dünne T-Shirt unübersehbar und im Sinne damaliger deutscher Schicklichkeit doch ein Hauch spannend wie ungewöhnlich. „Aber ich krieg das raus.“

Campingplatz bei Hvide Sande.

Irgendwie, ich hatte vom Reiten Null Ahnung, konnte ich mein Pferd bewegen den Marsch nach vorne, an den anderen vorbei, anzutreten, bis ich schließlich auf Höhe der jungen Dame angekommen war. Zuckersüß orientierte ich mich zu ihr hin und feuerte einen netten Anmachspruch in ihre Richtung ab. Noch bevor die junge Dame ihr Interesse andeuten konnte, wie ich hoffnungsvoll mutmaßte, streifte mich ein Bus, oder besser, ein starker Ast, der mich wie nichts aus dem Sattel fegte. Um es kurz zu machen, Däninnen und Pferde können mich seit dieser Platzwunde nicht mehr reizen, aber meiner Liebe zu Land und Leuten hat das bis heute keinen Abbruch getan.

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